Ugandische Teeindustrie 2024 in schwerer strukturellen Krise

Die ugandische Teeindustrie, die für über 1,2 Millionen Menschen eine wichtige Einnahmequelle und Lebensgrundlage darstellt, befindet sich in einer strukturellen Krise. Im Mittelpunkt steht ein weltweites Überangebot an Tee, das jetzt bereits im zweiten Erntejahr die heimischen Preise in den Keller getrieben hat. Die Preise sind stark gesunken, was die Bauern zur Aufgabe ihrer Ernten und die Fabriken an den Rand der Schließung gebracht hat.Schlechte Rahmenbedingungen für Pflanzer und Verkäufer. Teeguru ordnet die Entwicklung ein.

Der Kern der Krise liege in einem weltweiten Überangebot an Tee. Laut Gregory Mugabe, dem Vorsitzenden der Uganda Tea Association (UTA), übersteigt die Produktion den Verbrauch im Jahr 2023 um unglaubliche 391 Millionen Kilogramm. Dieser Überschuss hat sich bis ins aktuelle Jahr 2024 fortgesetzt und die Preise weiter unter Druck gesetzt.

Marktsättigung

Mugabe sagte, es seien mehrere Lösungen vorgeschlagen worden, um diese turbulente Marktsituation zu steuern. Die „Asia-Africa Tea Alliance“ hat die Einführung eines Produktionsquotensystems nach dem Vorbild der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) vorgeschlagen, um das Angebot zu regulieren.

Weitere vorgeschlagene Strategien sind die Umstellung auf Teespezialitäten mit höherem Preisniveau und die Anpassung der Produktion an die Marktnachfrage.

Anbei ein Bericht zur aktuellen Situation in Uganda von CGTN Africa in Englisch:

Diversifizierung des Teehandels

Die Diversifizierung der Märkte ist ein weiteres wichtiges Element. Traditionelle Märkte wie Europa und Ägypten stagnieren, während Afrika mit seiner wachsenden Bevölkerung ein neues Absatzgebiet für den ugandischen Tee darstellt, so Mugabe.

Die Allianz schlägt vor, Tee in Afrika als “aufstrebendes Produkt” zu fördern und damit die Abhängigkeit von Re-Importen aus anderen Regionen zu verringern. Die Allianz erkennt auch die Notwendigkeit an, die weitere Expansion der Teeproduktion zu kontrollieren.

Es werden Methoden wie kürzere Beschneidungszyklen und die Durchsetzung von Mindestqualitätsstandards vorgeschlagen, um die Rentabilität zu gewährleisten und die Gesamtqualität zu verbessern.

Innovation

Investitionen in Forschung und Entwicklung seien ein weiterer wichtiger Bereich. Die Entwicklung gesünderer Teeprodukte mit einem höheren Anteil an Antioxidantien, die Erforschung von Anwendungen in Schönheits- und Gesundheitsprodukten und die Untersuchung des Erfolgs des chinesischen CTC-Grüntee-Handelsmodells sind nach Ansicht von Experten allesamt Strategien, die das Potenzial haben, die Nachfrage und den Wert der heimischen Produktion zu steigern.

Preiskontrollen

Der ostafrikanische Teehandelsverband (EATTA) plädiert für einen an Qualitätsstandards gebundenen Mindestpreis. Dies könnte Anreize für die Qualitätsproduktion schaffen und gleichzeitig das Überangebot eindämmen.

Beispiele aus Bangladesch und Indien, wo Produktionskürzungen und die Suche nach alternativen Anbauprodukten in Erwägung gezogen werden, machen deutlich, dass die Krise nicht an den Grenzen Ugandas halt macht, wobei andere Länder bereits Konsequenzen aus der Entwicklung gezogen haben.

Doch nicht jeder ist mit der Darstellung der übersättigten Märkte einverstanden. Zahlreiche Marktteilnehmer glauben, dass staatliche Interventionen und eine gerechtere Preisgestaltung für „Outgrower“ (sogenannte unabhängige Bauern, die Fabriken beliefern) die Lösung sein könnten.

Victoria B. Ashabahebwa, Direktorin der Swazi Highland Tea Co Ltd, sieht in der Krise eine Chance für Innovation und Anpassung. Sie betont das Potenzial für Teespezialitäten und das Eingehen auf unterschiedliche Verbrauchervorlieben.

Die eigene Nische finden

Trotz der Herausforderungen ist der globale Teemarkt nach wie vor groß, wobei allein der US-Markt im Jahr 2023 ein Volumen von fast 14 Milliarden US-Dollar erreichen wird.

Die niedrige Einstiegshürde ermögliche es neuen Unternehmen, sich eine Nische zu schaffen, indem sie sich auf Qualität, einzigartige Mischungen und digitale Marketingstrategien konzentrieren. Das Verständnis der Verbraucherpräferenzen und die Nutzung von E-Commerce-Plattformen seien entscheidend für den Erfolg.

Ezra Niwagaba, Vorsitzender der Uganda Tea Out Growers Association (UTOA) für den Distrikt Rukungiri, argumentiert, dass das Fehlen eines starken regulatorischen Rahmens ein großes Hindernis darstellt. Er unterstreicht die Notwendigkeit einer Teepolitik, die den Sektor regelt, die Qualität der Blätter reguliert und eine faire Behandlung der Bauern sicherstellt.

Aufbau einer nachhaltigen Zukunft

Um eine nachhaltige Zukunft jenseits des Preisschilds aufzubauen, betont Ashabahebwa mehrere wichtige Erfolgsfaktoren:

So müsse die Blattqualität verbessert werden. Handgepflückte, hochwertige Blätter seien für die Herstellung von Premium-Tee unerlässlich.

Nachhaltigkeit und soziale Verantwortungmüssten thematisiert werden, denn die ethische Beschaffung und entsprechendes Umweltbewusstsein kommen bei den sozial bewussten Verbrauchern von heute gut an.

Auch die Ausweitung der Märkte, die Konzentration auf Mehrwertprodukte wie Teebeutel und die Ausrichtung auf den Endverbraucher seien wichtige Strategien sowie ein starkes Branding und Marketing. Der Aufbau einer unverwechselbaren Markenidentität und ansprechende Marketingkampagnen seien ebenfalls entscheidend für die Steigerung der Nachfrage.

Da die ugandische Teeindustrie an einem Scheideweg steht, sind Experten der Meinung, dass durch die Umsetzung einer Kombination der vorgeschlagenen Lösungen, die Förderung von Innovationen und die Priorisierung von Qualität und Nachhaltigkeit eine Chance besteht, diesen Sturm zu überstehen.

Die Zusammenarbeit zwischen der Regierung, den Bauern, den Verarbeitern und den Exporteuren sei unerlässlich, um eine bessere Zukunft für diese wichtige ugandische Branche zu gewährleisten, so der Vorsitzende der UTOA.

Ugandischer Tee findet sich für europäische Verbraucher mehrheitlich in einfachen Schwarzteemischungen oder Teebeuteln wieder und ist insofern kein aktiver Marktteilnehmer im europäischen Markt.

Der Teeguru meint: Überproduktion seit 2023? Gefühlt steigen doch die Teepreise in den Läden unseres Vertrauens seit 2 Jahren ganz massiv. Warum merken wir nichts von der Überproduktion am Preis?

Weil das Problem nur eines ist für Länder, die ganz unten in der Wertschöpfungskette mit ihren Produkten stehen. Uganda gehört auf jeden Fall dazu. Obwohl seit 1909 in Uganda Tee angebaut wird und die Teeproduktion mit etwa 45.000 Tonnen garnicht mal so wenig ist, hat Uganda leider keine Qualitätsverbesserungen geschafft. Weshalb der Tee es kaum in die hochpreisigen Exporte der relevanten Märkte schafft.

In den 70ern waren die Tees noch vergleichbar mit den kenianischen Tees. Die Qualität und Mengen verminderten sich später aufgrund politischer Instabilitäten. Dieser Negativtrend hält bis heute an und führt letztlich dazu, dass den „letzten die Hunde beissen“ und die eigene, ugandische Produktion dann bei Überkapazitäten vom Markt als erstes preislich aussortiert wird.

0 0 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
0
Would love your thoughts, please comment.x
de_DEDeutsch
Nach oben scrollen