Tregothnan Estate: Die Essenz britischen Tees – Ein historischer Landsitz als Wiege des ersten echten britischen Teegartens

Das Tregothnan Estate in Cornwall, dessen Wurzeln als einer der ältesten Landsitze Englands bis ins Jahr 1334 zurückreichen und seit Jahrhunderten im Besitz der Familie Boscawen, den Viscounts Falmouth, ist, ist nicht nur ein Ort reicher Geschichte und traditioneller Landwirtschaft. Es ist auch die Geburtsstätte des ersten Teegartens Großbritanniens und dank der Verbindung von tief verwurzelter Tradition mit wegweisender Technologie vielleicht der modernste Teegarten der Welt.

Die Inspiration für den Teeanbau kam Ende der 90er Jahre von Jonathon Jones, einem Botaniker, der damals Handels- und Gartendirektor war und heute als Geschäftsführer fungiert. Beeindruckt davon, wie gut Zierkamelien (die seit über 200 Jahren auf dem Anwesen im Freien kultiviert werden) auf Tregothnan gediehen, scherzte er zunächst, dass vielleicht auch Tee, der ebenfalls zur Gattung Camellia gehört (Camellia sinensis), dort wachsen könnte.

Unbeirrt verfasste Jones ein fundiertes Forschungspapier über die Camellia, das die lange Geschichte des Outdoor-Kamelienanbaus auf Tregothnan dokumentierte. Die fortschrittlichen Besitzer des Anwesens, das noch heute sehr ähnlich wie vor fast 700 Jahren mit Pächtern und Anbau betrieben wird, erkannten das wegweisende Potenzial in Jones‘ Idee, England eine eigene Tee-Identität zu geben.

Jones‘ Ambitionen wurden durch den Gewinn des renommierten Nuffield Farming Scholarship und eines Churchill Fellowship beflügelt. Diese Stipendien ermöglichten ihm, Teeplantagen weltweit zu besuchen und die neuesten Innovationen sowie besten Praktiken zu erlernen. Besonders prägend war sein Aufenthalt in Darjeeling, Indien, wo das Klima- oft kalt und feucht- Ähnlichkeiten mit Cornwall aufwies. Dies bestärkte ihn in der Überzeugung, dass die dort heimischen Teepflanzen auch auf Tregothnan erfolgreich kultiviert werden könnten. Er lernte auch, wie die Briten im 19. Jahrhundert chinesische Teepflanzen erstmals in Darjeeling anpflanzten.

Anbau seit 1999 – Ertrag seit 2005

Im Jahr 1999 wurden die ersten Teegärten versuchsweise angelegt. Der anfängliche Standort im Küchengarten, geschützt durch eine alte Mauer und Manuka-Büsche, war zwar für den Versuch geeignet, aber nicht ideal für eine großflächige Expansion. Dort wurden die ersten 300 Teebüsche gepflanzt. Die Anfänge waren schwierig: frühe Frühlingsstürme entwurzelten die jungen Pflanzen. Die erste Ernte im Jahr 2005 war winzig, nur 28 Gramm Tee. Doch die hervorragende Qualität dieses Tees und sein exzellenter Charakter inspirierte Jones und Lord Falmouth gleichermaßen. Es wurde schnell klar, dass für ein glaubwürdiges Teegeschäft weit mehr Büsche benötigt wurden. Das Hochskalieren war eine Herausforderung, da auf dem mehr als 10.000 Hektar großen Anwesen die Zustimmung vieler Beteiligter, die nichts mit Tee zu tun hatten, eingeholt werden musste. So wuchs der Ertrag zunächst „stakkatoartig“, von Gramm zu Kilogramm, in schrittweisen Erhöhungen.

Der Standort, etwa 13 km landeinwärts vom Meer, schützt die Teepflanzen vor salziger Luft, die schädlich wäre. Die Bedingungen werden oft als wärmer und feuchtigkeitsreicher als in Darjeeling beschrieben und sind frei von salzigen Winden. Mit saurem Boden und einem milden Klima bietet Tregothnan ideale Voraussetzungen für produktiven Teeanbau. Dies unterscheidet den Standort von anderen Orten im Vereinigten Königreich, wo Teebüsche zwar überleben, aber nicht so produktiv sind.

Jährlich werden bis zu 20.000 neue Teebüsche gepflanzt. Die Teegärten erstrecken sich heute über etwa 60 Hektar, was etwa 47 Kilometer Teebüschen entspricht. Obwohl dies im globalen Vergleich klein ist (nur 61 von über 400 Hektar geeigneter Fläche werden genutzt), ist Tregothnan größer als alle andere britische Teefarmen.

Einzigartige Herkunft: Der erste und einzige echte „English Tea“

Tregothnan hat sich zum Ziel gesetzt, den „most British tea in history“ zu kreieren und die „Englishness“ in den englischen Tee zu bringen. Teeliebhaber können einen Tee genießen, der tatsächlich auf englischem Boden gewachsen ist, was ihn von den traditionellen, aus Übersee importierten „English Teas“ unterscheidet. Er wird als der „neue Darjeeling“ gefeiert.

Vielfalt der Sorten und Blends

Angebaut werden verschiedene Varietäten der Teepflanze: die chinesische Varietät (Camellia sinensis var. sinensis, von der erste Busch aus Darjeeling stammte und einen leichten, floralen Geschmack liefert), die indische Varietät (Camellia sinensis assamica, die mehr Körper hat und traditionell für English Breakfast Tea verwendet wurde), Hybride dieser beiden sowie eine vietnamesische Sorte.

Das Anwesen produziert eine breite Palette an Tees

Schwarze Tees: Dazu gehören Bestseller wie der Classic Blend (eine belebende Mischung aus handgepflückten Tregothnan-Blättern und feinstem Assam, bekannt für kräftigen, malzigen Geschmack), der stärkere Great British Blend (Cornish-Blätter stark mit Assam gemischt), English Breakfast Tea, Cornish Tea, sowie reine Single Estate Tees

Grüntee: Produziert aus den gleichen Blättern wie in China, beschrieben als frische, gesunde Mischung

Auch Oolong Ist laut Geschäftsführer Jonathon Jones ebenfalls ein wichtiger Teil ihres Angebots geworden

Earl Grey: Eine Premium-Variante, gemischt aus seltenen Cornish-Teeblättern und feinstem Assam, verfeinert mit reinem, natürlichem Bergamotte-Öl

Desweiteren werden vor Ort auch Tees mit Aromen wie Rose, geräuchertem Tee, Fenchel und Lavendel hergestellt. Darüber hinaus gibt es Kräutertees wie Kamille (beliebt als Abendtee), Zitronenverbene und Manuka-Blatt-Tee.

Gelegentlich werden spezielle Tees für besondere Anlässe kreiert, wie z.B. der Coronation Tea zur Thronbesteigung von Charles III.

Außergewöhnliche Qualität und Geschmacksprofil – Ernte mit Roboter

Die Teepflanzen gedeihen in einem Mikroklima, das oft als wärmer und feuchter als Darjeeling beschrieben wird und frei von schädlichen Salzwinden ist. Die hohe Qualität des Tees war von Anfang an erkennbar, selbst bei der winzigen ersten Ernte

Der Teabot, der fortschrittliche Pflückroboter mit Solarbetrieb, ist darauf ausgelegt, die beste Qualität zu pflücken: zwei Blätter und eine Knospe.  Dies ist ein Qualitätsstandard, der üblicherweise manuell erreicht wird und einhundertmal schneller als von Hand erfolgt

Positionierung als Luxus- und Premiumerlebnis

Anstatt sich an den sehr niedrigen Preisen der etablierten britischen Teeindustrie (teilweise nur 1-2 Pence pro Tasse) zu orientieren, zielte Tregothnan von Anfang an auf einen deutlich höheren Preis ab, vergleichbar mit etwa 2 Pfund pro Tasse. Diese Premium-Preisstrategie stieß zunächst auf Skepsis bei Brancheninsidern, die nicht glaubten, dass Tee aus einem Hochlohnland „premiumisiert“ werden könnte

Die Strategie basierte darauf, einen Premiumzuschlag für den ersten wirklich englischen Tee zu verlangen und den Wert des Erlebnisses des Teetrinkens in den Vordergrund zu stellen

Tregothnan versteht sich als Luxus-Teemarke und hat sich erfolgreich vom „Commodity Tea Pricing“ gelöst. Jonathon Jones vergleicht den Preis pro Tasse mit dem Preis eines Glases Wein, für das die Leute bereitwillig fünf Pfund oder mehr ausgeben

Teetrinker können also einen Tee erwarten, der als Luxusgut und nicht als Massenprodukt positioniert ist.

Innovation und Moderne

Die Entwicklung des solarbetriebenen Roboter-Teepflückers „Teabot“ zeigt Tregothnans Engagement für technologische Innovation, inspiriert von Industrien wie der japanischen. Teeliebhaber können sicher sein, so die Geschäftsführer, dass die Ernte auf moderne und effiziente Weise erfolgt, ohne Kompromisse bei der Qualität der gepflückten Blätter einzugehen

Derzeit keine Bio-Zertifizierung

Die Unkrautkontrolle war besonders in den ersten fünf Jahren eine große Herausforderung, was dazu führte, dass Tregothnan vorübergehend von der Bio-Zertifizierung abwich, obwohl ursprünglich organisch angebaut wurde. Angesichts der potenziellen Lebensdauer der Teebüsche von 400-500 Jahren wird erwartet, dass eine Rückkehr zur Bio-Zertifizierung möglich sein wird, sobald sich die Pflanzen etabliert haben

Trotz dieser Herausforderungen ist die Nachfrage nach Tregothnan-Tee gut. Der Verkauf findet direkt über die Website sowie an High-End-Geschäfte wie Fortnum & Mason, führende Hotels und die Eisenbahn (in der ersten Klasse der Great Western Railway). Sogar China importiert ihren Tee, was als „sogar seltener“ bezeichnet wird. Der Brexit hatte zunächst den Export nach Europa erschwert, aber durch integrierte Versandmethoden konnte dies wieder aufgenommen werden

Der Teeguru meint:  Teeliebhaber dürfen von Tregothnan Tees nicht nur ein historisch einzigartiges Produkt erwarten – den ersten echten englischen Tee – sondern auch eine breite Palette von hochwertigen Sorten und Blends, geprägt von einem besonderen Mikroklima, innovativer Erntetechnologie und dem Anspruch, eine Luxus-Teemarke zu sein, die das Erlebnis des Teetrinkens neu definiert. Er ist deshalb auch kein billiges Vergnügen. Trotzdem kann man erkennen, was selbst in England an Teequalität unmittelbar herstellbar ist.

Der Tee hatte im Test eine erstaunliche Milde, die man bei einem bisher als „British Tea“ oder „English Breakfast“ deklarierten Tee so nicht erwarten würde. Deswegen würde der Teeguru auch empfehlen, von der britischen Tradition, den Tee mit Milch zu trinken, abzuweichen.

https://tregothnan.co.uk/pages/shop

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