Darjeeling produziert einige der besten Schwarztees der Welt. Doch bei einer Vielzahl von Qualitäten, Ernten und Plantagen kann es schwierig sein, sich in der Welt des Darjeeling-Tees zurechtzufinden. Also was tun, was kaufen oder was ausprobieren? Die Preise sind hoch, es muss also etwas dran sein an der Sonderstellung des Tees aus dem östlichen Himalaya. Der Teeguru gibt Hilfestellung für Darjeeling-Liebhaber und solche, die es noch werden wollen.

Der Darjeeling-Tee, oft als „Champagner unter den Tees“ bezeichnet, ist weltweit für seinen feinen Geschmack, sein blumiges Aroma und seine einzigartigen Eigenschaften bekannt, die aus dem Terroir der Region stammen. Mit seiner hohen Lage und dem günstigen Klima produziert Darjeeling nach Meinung vieler Teespezialisten einige der besten Tees der Welt.

Bei einer Vielzahl von Qualitäten, Ernten und Plantagen kann es schwierig sein, sich in der Welt des Darjeeling-Tees zurechtzufinden. Ob Sie nun ein erfahrener Kenner oder ein Neuling dieses exquisiten Getränks sind, hier sind acht wichtige Tipps, die Sie beim Kauf von Darjeeling-Tee beachten sollten:

 Überprüfen Sie die Authentizität

Nur eine von fünf Tassen Darjeeling-Tee stammt tatsächlich von den 87 Plantagen in Darjeeling. Beim Teekauf ist die erste Frage, ob der Tee wirklich authentisch ist. Darjeeling ist eine geschützte geographische Angabe. Ausschließlich Tee, der in dem etwa 17.500 Hektar großen indischen Anbaugebiet Darjeeling angebaut und hergestellt wird, darf den Namen Darjeeling Tee tragen. Das Tea Board of India, der Teeverband Indiens, vergibt daher an die 87 Darjeeling Teegärten Siegel und Lizenznummern.

Dennoch wird auf dem Weltmarkt etwa die Vierfache Menge an Darjeeling Schwarztee angeboten, als im Herkunftsgebiet überhaupt jährlich geerntet werden kann. Es sind daher viele Fälschungen im Umlauf. Beim Kauf ist es empfehlenswert, genau zu hinterfragen, wo der Tee tatsächlich herkommt. Hierbei spielt die Glaubwürdigkeit des Verkäufers eine wichtige Rolle. Wenn Sie in einem lokalen Teegeschäft kaufen, fragen Sie, woher der Tee stammt. Beim Online-Kauf sollten Sie prüfen, ob das Social-Media-Profil Vertrauen erweckt.

Eine gute Faustregel ist es, die Kosten der Herstellung dieser Tees zu berücksichtigen. In Darjeeling betragen diese mindestens 800 Rupien pro kg, was derzeit (5/24) etwa 9 Euro entspricht. Bei 100 g Darjeeling-Tee sind das also schon alleine etwa 1 Euro Herstellungskosten. Das ist deutlich mehr als in den meisten anderen Teeregionen Asiens.

Dazu kommen Versand, Distributionsgebühren und Händlermargen. Kurz gesagt: wenn jemand versucht, Ihnen Darjeeling-Tees zu einem niedrigen Preis zu verkaufen, ist dieser wahrscheinlich geblendet oder stammt aus anderen Gebieten. Im Verhältnis zu anderen Teegebieten erhält man Darjeeling-Tees in der Regel nicht zu Niedrigpreisen wie Blends aus anderen Regionen.

Wann wurde Ihr Tee geerntet?

Darjeeling-Tee wird zu verschiedenen Zeiten geerntet, die als „Flushes“ bekannt sind. Der First Flush, der im Frühling geerntet wird, ergibt zarte, leicht körperreiche Tees mit blumigen Noten. Schwarzer First Flush Darjeeling ist der kostbarste Darjeeling. Vor allem erntefrisch schmeckt er am besten. Damit Teeliebhaber auf der ganzen Welt möglichst schnell in den Genuss dieser Spezialität kommen, werden die ersten Ernten unmittelbar nach der Fertigstellung per Flugzeug nach Europa und in die Welt geschickt. Jedes Jahr gibt es unter vielen Teehändlern ein Wettrennen, wer als erstes den neuen Tee aus Darjeeling anbieten kann.

Second Flush-Tees, die von Spätfrühling bis Frühsommer geerntet werden, zeichnen sich durch einen Muskateller-Geschmack und eine etwas dunklere Infusion aus. Der Herbst-Flush, auch „Autumnal Flush“ genannt , produziert kräftige Tees mit einem reichen, vollmundigen Geschmack. Desweiteren existiert noch eine Monsunernte (Monsoon Flush), die eine Erweiterung der Geschmackspalette anbietet, aber nicht die qualitative Bedeutung der beiden Erstpflückungen hat.

Das Verständnis dieser Ernten hilft Ihnen, die Art von Darjeeling-Tee auszuwählen, die Ihrem Geschmack entspricht.

  • First Flush: Ernte zwischen März und April. Die begehrtesten und hochwertigsten Darjeelings. Er ist leicht und blumig-duftend und nach der Winterpause besonders frisch und spritzig. Als Flugtee sind First Flushs bereits Anfang April in Deutschland erhältlich. Der Aufguss in der Tasse ist hell gelblich.
  • Inbetween: Von Mai bis Juni, zwischen den beiden Haupterntezeiten, liegt der Inbetween. Starke Regengüsse, hohe Luftfeuchtigkeit und warme Temperaturen sorgen für ein schnelles Wachstum der Teeblätter. Zu schnell, für absolute Top-Qualitäten. Der Aufguss ist dunkler und im Geschmack zeigen sich vollmundigere, würzige Facetten. Eher seltener zu erwerben.
  • Second Flush: Die Ernte für den Second Flush beginnt Anfang Juni und endet Ende Juli. Darjeeling Tee der Sommerernte ist deutlich kräftiger, vollmundig und würziger im Geschmack. In der Tasse zeigt sich ein satter bernsteinfarbener Ton.
  • Monsoon (Regentee): Von August bis September setzt der Monsunregen ein. In dieser Erntezeit wachsen die Blätter wieder außerordentlich schnell. Das Aroma der Tees ist herb. Meist wird Monsoon Darjeeling nicht exportiert und überwiegend im eigenen Land als Masala Chai genutzt.
  • Autumnal: Die letzte Erntephase in Darjeeling zwischen Oktober und November. Das Wachstum der Teepflanzen verlangsamt sich. Zum Ende des Jahres steigt dadurch wieder die Qualität der Darjeelings, so dass es im Bereich der autumnals durchaus einige Schätze zu entdecken gibt.

Achtung: Wer den urtypischen und stilprägenden Charakter des Darjeelingtee („Champagner“) in der Tasse haben möchte, sollte unbedingt zu einem First Flush greifen. Alle weiteren Ernten haben nicht mehr den spritzigen, frischen Charakter der ersten Ernte, sind aber nicht minder empfehlenswert.

Wo wurde Ihr Tee konkret angebaut ?

Darjeeling verfügt über zahlreiche Teegärten, jeder mit seinem eigenen Geschmacksprofil, Terroir und seinen eigenen Eigenschaften. Jeder Teegarten in Darjeeling legt Wert auf seine eigenen Geschmacksnoten, die sich über die Jahrzehnte durch Boden, Lage und Qualität der Bewirtschaftung auszeichnen. Nirgendwo sind die namentlichen Teegärten so bekannt wie in Darjeeling. Achten Sie darauf, wenn Sie Darjeeling-Tee kaufen und genießen.

Sollte Ihnen ein Blend, also eine Mischung aus verschiedenen Teegärten angeboten werden, können Sie davon ausgehen, dass es keine herausragende Qualität des Jahrgangs sein wird. Die Top-Gärten würden niemals ihren Tee aus den guten Ernten zu einem Preis anbieten, der es irgend einem Großhändler erlauben würde, diese als Mischung oder Beimischung zu verwenden. Deswegen gilt beim Darjeelingtee wie beim Hauskauf: Lage, Lage, Lage.

 „Teegrade“ sollten nicht ihr Maßstab sein

Die Verkaufssortierung kann einer der verwirrendsten Aspekte beim Teekauf sein. Teegrade basieren auf Faktoren wie Blattgröße, Aroma und Aussehen. Ich empfehle, dieses veraltete System völlig zu ignorieren und die längsten Blätter zu wählen. Zahlreiche Plantagen sortieren ihre Teeblätter nur von Hand, um sicherzustellen, dass die Blätter lang und unverwechselbar sind. Dies garantiert nach Meinung vieler Teeliebhaber die höchste Geschmacksqualität.

Um eine Orientierung zu bieten finden Sie hier trotzdem die konventionellen Sortierungen der Blattgrade, die wie gesagt nur als grobe Orientierung gelten sollten. Maßstab sollte immer der eigene Geschmack sein. Wie bei anderen „Vertriebs- Zwangskategorisierungen“ bei Lebensmitteln auch, sollte man niemals eine eindeutige Gebrauchsanweisung für den eigenen Geschmack erwarten. Des Teegurus liebste Darjeelingtees werden als „TGFOP“ verkauft und bieten in seiner Wahrnehmung das beste Preis-Leistungsverhältnis bei hohem Genußfaktor.

Die Blattsortierung beim Handel mit Darjeeling-Tees ist folgendermaßen aufgebaut:

SFTGFOP1 (Special Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe 1): Sehr feine, kleine und intakte Teeblätter und Knospen von höchster Qualität.

FTGFOP1 (Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe 1): Eine ebenfalls herausragende Tee-Qualität mit vielen kleinen, Teeblättern und Knospen. Eine hinten angestellte 1 beim FTGFOP soll die besondere Qualität noch zusätzlich verdeutlichen.

TGFOP (Tippy Golden Flowery Orange Pekoe): Gehobener Grad der meisten, guten Darjeeling Tees.

FOP (Flowery Orange Pekoe): Größere Teeblätter und Knospen von guter Qualität.

OP (Orange Pekoe): Besteht aus größeren und längeren Teeblättern. Standardgrad vieler Tees.

Der Teeguru empfiehlt:

Wer sich mit der aktuellen Situation der Region Darjeeling und der dortigen Teewirtschaft vertiefend auseinandersetzen möchte, dem sei ein hervorragender Podcast der Sendereihe „Weltsichten“ des RBB ans Herz gelegt. Denn Klimawandel, Landflucht und gestiegene Produktionskosten belasten  die Teepflanzer in der bekannten Anbauregion.

Der Beitrag ist hier zu finden: https://www.inforadio.de/rubriken/wirtschaft/beitraege/2024/01/droht-dem-darjeeling-tee-das-aus-.html

Verzichten Sie auf Teebeutel

Während Teebeutel Bequemlichkeit bieten, liefert loser Darjeeling-Tee ein überlegenes, einmaliges Trinkerlebnis. Loser Tee ermöglicht es den Blättern, sich beim Aufbrühen vollständig zu entfalten und ihr vollständiges Aroma und ihren Geschmack freizusetzen. Außerdem enthalten lose Tees oft hochwertigere Blätter als diejenigen in Teebeuteln. Deswegen findet sich in der Regel auch kaum qualitativ hochwertiger Tee aus Darjeeling in Beuteln.

Wenn Sie die Geschmacksvielfalt der Darjeelingtees entdecken wollen, sollten Sie die verschiedenen Sorten und Ernten unbedingt lose ausprobieren. Darjeelingtees und Teebeutel passen einfach nicht gut zusammen. Sie trinken ja den Champagner auch nicht aus Biergläsern.

 Darjeeling Tee wird pur getrunken

Schwarzer Tee wird häufig mit Milch verfeinert, um einen bitteren Geschmack zu überdecken. Ganz anders beim feinen Darjeeling. Durch Zugabe von Milch oder anderen Zutaten würde er sein fantastisches Aroma, für das er so bekannt ist, verlieren. Daher wird Darjeeling fast immer nur pur getrunken. Nur so kommt der unverfälschte Geschmack zur Geltung.

 Darjeeling Tee verliert schnell sein Aroma

Um den vollen Genuss des Darjeelings zu erhalten, sollte er möglichst schnell aufgebraucht werden. Dies gilt insbesondere für den empfindlichen First Flush. Innerhalb weniger Monate kann ein Darjeeling bereits einen Großteil seines wundervollen Aromas einbüßen, besonders bei ungünstigen Lagerbedingungen. Es ist daher sinnvoll, sich keine übermäßigen Vorräte anzulegen und ihn eher als eine seltene, außergewöhnliche Rarität zu sehen. Second Flush Darjeelings sind dagegen durchaus länger lagerfähig und weniger empfindlich.

Experimentieren und erkunden

Die Welt der Tees ist faszinierend und spannend. Haben Sie keine Angst, verschiedene Sorten von Darjeeling-Tee auszuprobieren. Ob Sie die zarten blumigen Noten eines First Flush oder den kräftigen Muskateller-Geschmack eines Second Flush bevorzugen, die Welt des Darjeeling-Tees bietet eine Fülle von Optionen. Aber auch dazwischen gibt es Qualitäten, die vielen Teekennern noch unbekannt auf der Zunge sind.

Der Monsoon Flush ist zum Beispiel eine weitere Teeernte, die in der indischen Region typischerweise zwischen Spätsommer und Frühherbst stattfindet. Dieser Flush ist durch die Reaktion der Teepflanzen auf die Monsunzeit gekennzeichnet, die starke Niederschläge und ideale Wachstumsbedingungen mit sich bringt.

Die Blätter bilden ein sehr dunkles Blatt, aus dem ein vollmundiger und natürlich fruchtiger Tee entsteht. Die Knospen enthalten aufgrund des langsameren Wachstums mehr Saft als normal, was zu einer kupferfarbenen Flüssigkeit und einem schönen, runden Geschmack führt. Geeignet als Frühstückstee und stärker als der Second Flush.

Der Monsoon Flush wird normalerweise Mitte September geerntet, nachdem die Monsunzeit endet und bevor die Teepflanzen bis Oktober und November wieder zu wachsen beginnen. Nach dem Second Flush ist eine sorgfältige Gartenpflege zur Vorbereitung auf diesen Flush unerlässlich, einschließlich Unkraut jäten und Düngen.

Sowohl Darjeeling- als auch Assam-Tees aus Monsoon Flushes werden normalerweise zu Frühstückstees gemischt und mit Milch getrunken. Sie ergeben eine vollmundige, kräftige Tasse Tee, bei der subtile Geschmacksnoten nicht so wichtig oder wahrnehmbar sind. Wenn Sie Tee gerne mit Milch trinken, wählen Sie stärkere Sommer- und Monsun-Jahrgänge.

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