Teetourismus - 6 Länder mit perfekten Reiseerlebnissen
Der Teetourismus hat sich zu einem neuartigen und fesselnden Erlebnis für Reisende und Teeliebhaber entwickelt. Die Nischenbranche kombiniert Agrotourismus mit Teeerfahrungen und bietet intensive Erlebnisse auf Teefarmen, Anwesen und Plantagen weltweit. Da die Verbraucher so viel wie möglich über die Herkunft von Lebensmitteln und Getränken wissen wollen, ist diese spezielle Form des Tourismus konsequent auf dem Vormarsch. Der Teeguru berichtet über Anbieter, die besten Reiseländer und von Erfahrungen vor Ort.
„Es gibt ein natürliches Vertrauen oder Interesse an den Menschen, die den Tee anbauen und kultivieren, und nicht an denen, die ihn vermarkten“, sagt der Teeforscher und Pu- Erh-Händler Jeff Fuchs, der auf der diesjährigen World Tea Expo in Las Vegas, Nevada, eine Grundsatzrede hielt. „Es geht nicht um schillerndes, glitzerndes Marketing. Wenn man die Leute frühmorgens in die Natur bringen kann, um Tee zu trinken und Blätter zu sammeln, dann funktioniert das für alle Seiten. Wir werden überschwemmt mit effekthascherischem Marketing. Wir identifizieren uns aber nur mit Produkten, die eine menschliche Erzählung haben.“
Touren werden von einer Vielzahl von Unternehmen angeboten, vom Teehersteller selbst bis hin zu darauf spezialisierten Reisebüros. Auch individuell sind solche Reisen möglich.
„Ich sehe mich nicht als Reisebüro“, gesteht Annabel Kalmar, Gründerin des Teeanbieters Tea Rebellion, die Teeliebhaber gemeinsam mit Einkäufern der Teeindustrie im April auf nepalesische Teefarmen führte. „Ich nehme die Leute gerne mit auf die Reisen. Ich plane trotzdem, denn das ist das Schönste an einem Teeunternehmen ist es, auf die Plantagen zu gehen.“
Auf der jüngsten sechstägigen Reise erkundeten die Teilnehmer eine familiengeführte Teefarm, die Teil des Nepal Tea Collective ist, tauchten in die praktische Teeproduktion ein, beispielsweise in das Pflücken der Teeblätter und den anschließenden Oxidationsprozess, und stellten Teemischungen her.
Dan Robertson von World Tea Tours, der über „The Tea House“ Tee importiert, mischt und vertreibt, hat schon immer eine sehr individuelle Herangehensweise an die Reiserouten verfolgt und veranstaltet dies häufig mit privaten Gruppen zusammen. „Ich stelle sie nicht einfach aus einer Laune heraus zusammen. Ich brauche ein oder zwei Jahre, um eine Reise zusammenzustellen“, sagt er. „Ich fahre nicht nur zu den Touristenorten. Ich mache Sie mit Menschen bekannt, die Sie allein nie treffen würden.“ Solche Touren tragen wesentlich dazu bei, die Glaubwürdigkeit einer Teemarke zu erhöhen und einen Teeanbieter als Experten zu vermarkten, ist Robertson überzeugt. Der Erfolg des Teetourismus gibt ihm recht.
Die besten Ziele für Teetourismus
Darjeeling, Indien: Diese Region ist für ihren unverwechselbaren Darjeeling-Tee bekannt und bietet atemberaubende Ausblicke auf den Himalaya, Fahrten mit der bekannten Miniatureisenbahn und Besichtigungen von Teefabriken. Oftmals ist das Reisen vor Ort anstrengend. Es empfiehlt sich, einen Guide oder dauerhaften Führer für vor Ort zu holen, wenn die Reise nicht vorab organisiert wurde.
Nuwara Eliya, Sri Lanka: Erleben Sie Teeplantagen im englischen Stil, Teefabriken und malerische Berghänge. Besuchen Sie den Horton Plains National Park, den Sita-Tempel und den Queen Victoria Park. Hunderte von Teeplantagen können bei einer günstig organisierten Reise mit privaten Taxis im Hochland der wunderschönen Insel vor Indien spontan besucht werden, Führungen durch Plantage und Produktion inbegriffen. Der Teeguru empfiehlt Sri Lanka für ein authentisches, spontanes und kostengünstiges Teeerlebnis. Ein absolutes Paradies für Teeenthusiasten erwartet einen im Hochland der Insel. Wer sich einen Fahrer organisiert, kann spontan und ohne Anmeldung bei hunderten Teeplantagen vorbeischauen. Die Preise sind human, der Tee schmeckt an jeder Ecke anders und es besteht bei größerem Budget die Option, sogar luxuriös auf einer Teeplantage zu übernachten.
Rize, Türkei: Erkunden Sie die Teeplantagen an der Schwarzmeerküste, zum Beispiel die „Checheva Tea Gardens“, nehmen Sie am Internationalen Teefestival von Rize (jedes Jahr im Juni) teil und besuchen Sie das Schloss und Museum von Rize.
Kenia:
Tigoni Tee-Farm
Genießen Sie am Stadtrand von Nairobi die Ruhe der wunderschönen Teeregion von Tigoni. Von staubigen Kleinstädten bis hin zu endlosen Feldern mit leuchtend grünen Teeblättern, so weit das Auge reicht, bieten die Tigoni-Teefarmen auf beiden Seiten der Straße atemberaubende Ausblicke auf den kenianischen Tee. Die Gegend bietet auch andere Aktivitäten wie leichte Wanderungen und schöne Spaziergänge durch die Teefarmen, bei denen Sie die künstlichen Seen in der Umgebung sehen können.
Lila Tee-Farm – Gatura Greens
Gatura Greens beherbergt die erste Purple Tea Farm in Kenia. Ab sofort können Gäste eine authentische Tour durch die Teeplantage erleben, einschließlich einer Teeverkostung von über zehn verschiedenen Teesorten, die in der dortigen Cottage Factory hergestellt werden.
Diese Purple Tea Farm Tour bietet Ihnen die Möglichkeit, mehr über violetten Tee und andere Teespezialitäten zu erfahren, die in Kenia angebaut und verarbeitet werden. Die Farm verfügt auch über einen wunderschönen Wasserfall-Wanderweg durch einen Bambuswald, der an den Wasserfällen endet, wo die Gäste ein erfrischendes Bad nehmen können. Danach können Sie ein Drei-Gänge-Menü auf der Farm genießen.
Taiwan: Entdecken Sie die Teeplantagen der Insel, insbesondere in den Regionen Zhushan und Fushoushan, und genießen Sie die traditionellen taiwanesischen Teezeremonien. Besuchbar ist beispielsweise die „Daxi Tea Factory“ in Taoyuan City
Kolukkumalai, Indien: Hier finden Touristen das höchstgelegene Teeanbaugebiet der Welt mit biologischem Teeanbau und atemberaubenden Aussichten. Bester Platz: Kolukkumalai Tea Estate Munnar, auf der regelmäßig Führungen angeboten werden. Übernachtungen auf der Plantage sind möglich.
Ortswechsel. Die Stadt Liubao in China ist für ihren dunklen Tee bekannt, der seit 1.500 Jahren als Getränk genossen wird. Hier herrschen ideale Bedingungen für den Teeanbau – ein ausgewogenes Verhältnis von Feuchtigkeit, Sonnenschein, Bodenverhältnissen und einer Höhe von etwa 600 Metern über dem Meeresspiegel.
Liubao-Tee gilt als einer der besten des Landes und wurde bereits zu Ehren des Kaisers Jiaqing während der Qing-Dynastie (1644-1911) serviert. Er kann vom Frühjahr bis zum Herbst hergestellt werden. Obwohl die Blätter aus dem zeitigen Frühjahr als die zartesten und damit hochwertigsten gelten, haben diese auch ein einzigartiges Aroma, wenn sie im Spätherbst geerntet werden.
Liubao lebt von Teetouristen
Die örtlichen Behörden haben im Laufe der Jahre die Integration von Tee und Tourismus vorangetrieben. „Mit dem Anstieg der Touristenzahlen hat das „Agritainment“, bei dem Unterkunft, Landwirtschaft und Teepflücken miteinander kombiniert werden, an Bedeutung gewonnen“, sagt Cao Zhang, Parteisekretär der Stadt Liubao.
Im Dorf Dazhong, südöstlich von Liubao, erlebt Liang Shuiyue die Vorteile des Teetourismus: Sie betreibt eine Gastwirtschaft, die ihrer Familie ein regelmäßiges Einkommen beschert. Dazhong hatte während des diesjährigen Frühlingsfestes 150.000 Besucher, und das Dorf ist Teil des ländlichen Revitalisierungsgürtels, den die Behörde von Liubao aufzubauen versucht.
Ziel ist es, eine unverwechselbare „Teestraße“, ländliche Gasthöfe und Grünteeparks für Besichtigungen zu entwickeln und eine einzigartige Landschaft mit Dörfern mit unterschiedlichen Merkmalen zu schaffen, so Zhang.
Nachhaltigkeit extrem wichtig
„Rückverfolgbarkeit und Transparenz sind in der Teeindustrie von großer Bedeutung“, sagt Nischal Banskota, ein Teeproduzent der zweiten Generation, der 2016 das Nepal Tea Collective gründete und bisher 26 Teereisen nach Nepal organisiert hat. „Ich wollte eine Verbindung zu den Bauern herstellen und ihre Geschichten zeigen.“
Der QR-Code auf jedem Teebeutel ermöglicht es dem Teetrinker, den Weg des Tees von Anfang bis Ende zu verfolgen, einschließlich Fotos der Bauern, die den Tee produzieren.
1984 gründeten Banskotas Eltern den ersten zertifizierten Bio-Teegarten des Landes. Aber viele nepalesische Teebauern bleiben reine Zulieferer von anonymen Tee.
„Sechsundneunzig Prozent der Tees, die aus Nepal exportiert werden, gehen nach Indien und werden als indische Tees bezeichnet“, sagt Banskota. „Die nepalesischen Bauern erhalten nie einen fairen Preis und werden nie in der Lage sein, eine Identität zu haben, eine eigene Marke zu erschaffen. Das wollte ich unbedingt ändern.“
Teereisen sind Abenteuerreisen
Die Leute, die an Teereisen teilnehmen, müssen mit rauen Reisen und rustikalen Umgebungen zurechtkommen. „Bei einer Teereise geht es vor allem darum, die Farm zu erreichen“, sagt Kalmar. „In gewisser Weise ist es eine Abenteuerreise.“
Dieses Reiseerlebnis ist zwar alles andere als luxuriös, hinterlässt aber tiefe Einblicke in das Erlebte. „Sie werden sich die Schuhe schmutzig machen und 99 % mehr über Tee wissen als andere Leute über Tee“, sagt Robertson im Hinblick.
Auf Kalmars Touren werden die Teeverkostungen zum Beispiel oft zusammen mit den Bauern durchgeführt. „Wir verkosten First Flush-Tees“, sagt Kalmar.
Neben dem Pflücken von Teeblättern an der Seite von Teebauern ist die Herstellung von eigenem Tee Teil des Erlebnisses der Reisen des Nepal Tea Collective. „Es erweitert wirklich die Vorstellung davon, was Tee ist und wie man ihn verkauft und vermarktet“, sagt Banskota.
Dieses Wissen ist auch für diejenigen hilfreich, die den Tee anbauen. „So können meine Bauern verstehen: ‚Wer sind die Leute auf der anderen Seite?'“, so Banskota. Im Oktober besuchte Raj Vable, der Gründer von Kumaon Tea und Young Mountain Tea (ein Online- und Großhändler für Tee), das Land. Es ist seine 17. Reise in den Himalaya in Nordindien, um die neue Teefabrik von Kumaon Tea zu besuchen, die sich im Besitz von Bauern befindet.
„Dies ist nicht nur Ökotourismus mit Tee-Fokus“, sagt Vable über seine Touren. „Die ganze Region ist ein Klassenzimmer, in dem die Leute etwas über die die Menschen, die hinter ihren Tees stehen, und die Technologien erfahren, die neue Arten von indischem Tee auf den Markt bringen. „
„Dies ist ein tiefes Eintauchen in die Art und Weise, wie Tee hergestellt wird. Mit Vorträgen, Anbau und praktischen Workshops, in denen die Teilnehmer verstehen, wie die Erzeuger die Tees herstellen, die wir alle trinken“, sagt Vable. „Wie können wir die Lücke zwischen den Teebauern und den Teetrinkern schließen? Es gibt so viele Zwischenhändler in der Tee- Lieferkette, die den Teetrinker daran hindern zu erfahren, wer ihn herstellt“.
Für ein kleines Teeunternehmen, das bereits genug damit beschäftigt ist, die Kundenwünsche zu erfüllen, mag die Aussicht auf zusätzliche Teetouren und zusätzlichen Aufwand entmutigend erscheinen. Aber die gute Nachricht ist, dass, wenn solide Beziehungen zu den Teepflanzern und -farmen bereits etabliert sind, schon mehr als die Hälfte der Arbeit getan ist.
„Partnerschaften vor Ort sind entscheidend“, sagt Fuchs. „Es reicht nicht aus, ein Reisebüro zu haben, das das Hotel und die Logistik des Transports organisiert. Teepflanzer und Anbauer müssen im persönlichen Kontakt ermutigt werden, über den Verkauf und die Vermarktung ihrer Blätter reden zu wollen.“ Dann ist Teetourismus auch mehr als nur eine weitere Reise in ein neues Land.
Der Teeguru meint:
Der Teeguru hat deshalb eine so intensive Beziehung zu Tee, weil er ihn nicht nur trinkt, sondern auch ein unstillbares Interesse daran hat, alles über diese wunderbare Pflanze zu erfahren, bis sie als Teetropfen in der Tasse fasziniert. Sein Ziel, alle Länder dieser Welt mit Teeplantagen zu besuchen, war die Geburtsstunde dieser Seite. Ich bin überzeugt: Nur wer die Identität des Tees in seiner Tasse versteht, wer den ganzen Weg des Teeblatts erlebt und verstanden hat, nur der hat das Teetrinken in seiner Gänze erfasst. Nur der weiß, was er in der Tasse vor sich hat.
Insbesondere Länder und Gebiete mit schwacher Marke und Wahrnehmung profitieren von solchen Reisen. Wer einmal mit den Teepflanzern und deren Kinder über ihre Sorgen und Nöte gesprochen hat, aber auch ihre Leidenschaft für Tee spürt, für den hat der dort angebaute Tee eine andere, umfassendere Bedeutung.
Die oben thematisierten Touren sind sowohl via Reisebüro als auch individuell erlebbar. Trotzdem kann sich nicht jeder solche außergewöhnlichen Reisen in oftmals weit entfernte Länder erlauben.
Der Teeguru wird diese Erlebnisse für alle mit-erleben und darüber schreiben. Damit jeder die Chance hat, auch von zuhause das Gefühl mitnehmen zu können, den Tee in seiner Gesamtheit zu erleben. Denn unseren geliebten Tee in seiner Gesamtheit zu erleben, zu spüren und zu schmecken ist das, was den Teeguru im Inneren antreibt.