Teegelesen: “Das Buch vom Tee” von Kakuzo Okakura – die asiatische Teebibel

Wenn der Teeguru auf Reisen geht, fällt ihm in vielen Häusern und Vitrinen seiner Gastgeber immer wieder außergewöhnliche Teeliteratur auf. Und ein Werk hat es zum zeitlosen Klassiker geschafft, das überall auf der Welt zu finden ist: „Das Buch vom Tee“ von Kakuzo Okakura. Gerade einmal 80 Seiten haben den Blick der Europäer auf Japan seitdem verändert. Aber was macht dieses Buch zu etwas besonderem? Auf der Suche nach dem asiatischen Teeverständnis hat sich der Teeguru dem Buch angenommen.

Zunächst einmal handelt es sich um ein zeitloses Werk, das bereits im Jahr 1906 veröffentlicht wurde, aber bis heute seine Relevanz behalten hat. Das Buch geht über den reinen Genuss von Tee hinaus und erkundet tiefergehende philosophische und kulturelle Aspekte. Okakura nimmt uns mit auf eine Reise in die japanische Teezeremonie und zeigt uns, wie Tee zu einer Art Lebensphilosophie wird. Das Buch ist gefüllt mit Weisheiten und Einsichten über Ästhetik, Spiritualität, Kunst und die Verbindung zwischen Mensch und Natur.

Es bietet einen Einblick in die japanische Kultur und Tradition und hilft uns, diese besser zu verstehen. Okakura zeigt uns, wie Teezeremonien nicht nur eine Möglichkeit sind, den Geist zu beruhigen und zu entspannen, sondern auch den Sinn für Schönheit und Harmonie in unserem täglichen Leben zu schärfen.

Darüber hinaus vermittelt das Buch wichtige Lektionen über Wertschätzung und Respekt für andere Kulturen. Es ermutigt dazu, sich für verschiedene Zugänge zum Leben zu öffnen und die Schönheit in unterschiedlichen Perspektiven zu erkennen.

Teebibel für Teeliebhaber

Das Buch vom Tee” ist kein typisches Sachbuch, sondern vielmehr eine poetische, elegante Darstellung der japanischen Teezeremonie und ihrer Bedeutung. Okakuras Schreibstil ist fesselnd und inspirierend, manchmal etwas sehr poetisch und ausgeschmückt, sodass das Buch nicht nur informative, sondern auch unterhaltsame Lektüre bietet.

In sieben Kapitel nimmt es uns mit auf die Reise. In „die Schale der Menschheit“ gibt es einen kleinen historischen Einblick über die Entstehungsgeschichte des Tees mit asiatischem Schwerpunkt, während „die Schulen des Tees“ erweitertes Verständnis für die sich entwickelnden Teezeremonien schafft.

„Taoismus und Zennismus“ schafft die Brücke zum spirituellen Verständnis des Teegenusses in den asiatischen Ländern, die für die europäische Kultur so nicht existiert.  „Der Teeraum“ erläutert, warum es wichtig ist, den Teegenuß immer auch in Verbindung mit der richtigen Umgebung wahrzunehmen. Wer würde in Europa schon auf die Idee kommen, eigene Tischler für die passende Umgebung zu beauftragen.

Im Kapitel  „Kunstverständnis“ zeigt uns Okakura, wie wir auf Kunst und Meisterwerke eingehen können. Nicht umsonst hüteten Teemeister in Japan ihre Kunstwerke wie ihren Augapfel, denn sie waren mehr als nur Gegenstände, die man anschauen konnte. In „die Blume“ erfahren wir, dass ein Großteil der Menschen über die bloße Betrachtung derselben nicht hinausgekommen sind, was dem besonderen Objekt nicht gerecht wird.

Im letzten Kapitel „die Teemeister“ erfahren wir, welchen Einfluß diese auf die Entwicklung der Kunst und insbesondere auf die Führung des Lebens hatten.

Der Teeguru meint: “Das Buch vom Tee” kann uns helfen, innezuhalten und über unser eigenes Leben und Prioritäten nachzudenken. Es ermutigt uns dazu, uns auf das einfache zu konzentrieren und das Streben nach äußerem Glück zugunsten innerer Erfüllung in den Hintergrund zu stellen.

Alles in allem ist “Das Buch vom Tee” von Kakuzo Okakura ein wunderbares Werk, das zum Nachdenken und zur Selbsterkenntnis anregt. Es hat einen zeitlosen, noch heute relevanten Charakter und ist eine Bereicherung für jeden, der sich für die japanische Kultur, Ästhetik und Philosophie interessiert.

Warum unbedingt dieses Buch lesen?

Das Buch bietet mehr als nur eine Anleitung zur Teezubereitung. Es erkundet die philosophischen und spirituellen Aspekte des Teetrinkens und führt den Leser zu einer tieferen Betrachtung von Einfachheit, Harmonie und Respekt. Kulturelle Perspektive: Bücher über Teezeremonien bieten Einblicke in die japanische Kultur, Kunst und Ästhetik, insbesondere in Bezug auf die Teezeremonie. Durch die elegante Sprache und die tiefgründigen Metaphern geht das Buch über die bloße Information hinaus und fesselte mich emotional.

Historischer Wert: Das Buch vom Tee, ein Werk aus dem frühen 20. Jahrhundert, bietet historische Einblicke in die Zeit, als Japan begann, sich dem Westen zu öffnen. Dies macht es auch  zu einer interessanten Quelle kulturhistorischer Forschung. Mehr als einmal hinterfragt der Autor die Einstellung der Europäer zum Osten und offenbart, wie wenig man damals über Asien wusste.

Was macht das Buch einzigartig?

Kakuzo Okakuras „The Book of Tea“ hebt sich von anderen Büchern über Tee durch seine einzigartige Kombination aus Kunst, Philosophie und Kultur rund um das Teetrinken ab.  Das Buch ist mehr als nur eine Anleitung zur Teezubereitung. Es ist eine philosophische Reise, die Tee als Mittel zu innerem Frieden und Wissen feiert. Insgesamt ist es die einzigartige Kombination aus Spiritualität, Kunst, kultureller Verbindung und universeller Botschaft, die Kakuzo Okakuras Klassiker von anderen Teebüchern unterscheidet.

 Für wen ist dieses Buch eher nicht geeignet?

Leser, die faktenorientiert sind und eher Sachbücher zum Thema bevorzugen werden sich eher nicht angesprochen fühlen. Die Prosa von 1906 ist doch sehr blümerant und verspielt. Sie passt zu einem ruhigen Teeabend, aber nicht unbedingt zur reinen Informationsvermittlung.

Der Teeguru meint: Jedem Teeliebhaber sei das absolut zeitlose Werk unbedingt ans Herz gelegt. Für den Teeguru ist es so etwas wie seine Teebibel, in der er regelmäßig blättert. Entweder, um Informationen zur Teezeremonie zu bekommen oder, weil ihn die Sprache des Buches immer wieder daran erinnert, dass Tee eben viel mehr ist als nur getrocknete Blätter. Es macht sich aber auch in seiner kompakten A5-Form (Leinenausgabe mit Goldprägung) gut in jedem Teeliebhaberregal zwischenchinesischen Teetassen und Teesortierungen.

 Bewertung: 8 von 10 Teeblättern

 

Kakuzo Okakura – Das Buch vom Tee (Edition Werke der Weltliteratur – Hardcover) Gebundene und aktuellste Ausgabe –Oktober 2022

Kakuzo Okakura: Das Buch vom Tee (Leinen mit Goldprägung, toll eingebundene Ausgabe auf 80 Seiten –März 2020

 
 
Kakuzo Okakura im Jahr 1898, acht Jahre vor Veröffentlichung seines Meisterwerks. Quelle: Wikipedia
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David
4 Monate zuvor

Als jemand, der sich sowohl für Tee als auch für Literatur begeistert, hat mich “Das Buch vom Tee” von Kakuzo Okakura von Anfang an in seinen Bann gezogen. Okakuras elegante Schreibweise und seine tiefgreifenden Einblicke in die Welt der japanischen Teezeremonie haben mich emotional berührt und zum Nachdenken angeregt. Doch ich kann verstehen, dass einige Leser möglicherweise von der poetischen Sprache abgeschreckt werden und sich nach einer sachlicheren Darstellung sehnen. Trotzdem halte ich dieses Buch für eine Bereicherung, die jedem Teeliebhaber und Kulturinteressierten einen wertvollen Einblick bietet. Es ist mehr als nur ein Buch über Tee; es ist eine Reise zu den Wurzeln einer faszinierenden Kultur.

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