Sri Lanka: Bio- Teeanbau schuld an Staatspleite?

Im April 2021 verbot die Regierung Sri Lankas chemische Dünger und Pestizide, fast über Nacht wollte das Land auf biologische Landwirtschaft umstellen. Bauern mussten plötzlich mit Kompost düngen. Der Versuch schlug fehl. Sri Lanka befindet sich immer noch in der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte, es fehlt an Treibstoff, an Nahrungsmitteln, an Strom. Das Land ist zahlungsunfähig. Erst in den letzten Monaten gibt es wieder Grund zur Hoffnung für das so wunderschöne und vom jahrelangen Bürgerkrieg immer noch gezeichnete Land. Hat tatsächlich die Biolandwirtschaft Sri Lankas Krise verursacht?

Auf der letzten Reise nach Ceylon durfte der Teeguru die Einmaligkeit des Teeanbaus auf der Insel ausführlich besichtigen. Beeindruckende Landschaften, die sich in Richtung Mitte der Insel da auftaten. Planntagen, so weit das Auge sehen konnte. Berge mit Plantagenhängen, soweit der Teppich flog. Und auch einzelne Perlen, Bio-Plantagen, die einen ganz außergewöhnlichen Grün- und Schwarztee hervorbrachten. Kaum vorstellbar, dass alle anderen Plantagen eine Umstellung auf „Organic“ von heute auf morgen umsetzen könnten.

Die Landwirte wurden vor drei Jahren jedenfalls nicht gefragt, sondern einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Ab sofort sollten sie Tee, Zimt,Reis, Palmöl und alle weiteren Produkte der Insel ohne all diese Hilfsmittel erzeugen. Und auch ohne jegliche Beratung zu Umstellung, extensiver Bewirtschaftung, Einsatz organischer Dünger oder Kreislaufwirtschaft.

Das Importverbot von Agrochemikalien bedrohte sehr schnell die wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturen – darunter auch den Tee-Anbau. Der Teesektor mit einer Wirtschaftskraft von rund 1,3 Milliarden US-Dollar ist stark auf den Export ausgerichtet und somit eine tragende Säule der sri-lankischen Wirtschaft.

Auch die Nahrungsmittelpreise sind um bis zu 70 Prozent gestiegen, die wirtschaftlichen Schäden seitdem schwer zu beziffern. Zwar schont Bio die Natur, konventionelle Landwirtschaft allerdings maximiert den Ertrag – mit Bio allein lässt sich von heute auf morgen kein Land ernähren.

Erträge schrumpften um ein Drittel

Das Verbot hat dementsprechend auch der Teeindustrie geschadet. In sechs Monaten schrumpften die Erträge auf den Teeplantagen um ein Drittel. Auch dies trifft viele Menschen hart, war doch der Export von Tee ein Garant für harte Devisen. Als synthetischer Dünger und Pestizide noch erlaubt waren, wurde in Sri Lanka rund ein Viertel des weltweit produzierten Tees geerntet.

Experten sagen, dass die Hauptursache für den Rückgang das plötzliche Verbot aller Agrochemikalien einschließlich Düngemitteln von April bis November 2021 war, das der damalige Präsident beschlossen hatte. Folglich betrug die jährliche Teeproduktion Sri Lankas im Jahr 2022 251.499 Tonnen, ein Rückgang von 16 % gegenüber 299.488 Tonnen im Jahr 2021, der niedrigste Stand seit 1995, als die jährliche Ernte 245.900 Tonnen betrug (Quelle: Sri Lanka Tea Board).

Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr hielt bis Januar 2023 an, doch im Februar dieses Jahres stieg die Ernte von 18.163 Tonnen im Vorjahr auf 18.715 Tonnen. Seit März 2023 verbessert sich die Situation und seit April gibt es wieder ein positives Wachstum. Im Vergleich zu den Bedingungen Anfang 2021 ist der Preis für Düngemittel zwar immer noch zehnmal so hoch, aber schon deutlich günstiger als im letzten Jahr.

Grund dafür: Das Verbot wurde Ende November 2021 wieder aufgehoben. Auch der Präsident, der sich für die Entscheidung verantwortlich zeichnete, hat seine eigene Maßnahme politisch nicht überlebt.

Die katastrophalen Folgen lassen sich allerdings nicht mehr so schnell ungeschehen machen. Laut der Welternährungsorganisation leiden zwischenzeitlich 4,9 Millionen Menschen in Sri Lanka Hunger, das ist ein Fünftel der Bevölkerung. Inzwischen ist der Staat bankrott und im Land wurde der Notstand ausgerufen.

Traditionen ändern sich

Hinzu kommt, dass die Ceylonesen durch die Preissteigerungen und das Fehlen von Basisprodukten sogar begonnen haben, alte Traditionen zu verändern. Milchpulver, ein über Generationen bekanntes Genußmittel im Tee, verschwindet zunehmend aus der Teetradition der Einheimischen. Schlicht deshalb, weil es an Geld und Produkt mangelt.

Wer jemals in den Straßen von Colombo oder an einer der zahlreichen kleinen Restaurants im ganzen Land Tee mit Milch bestellt hat weiß, wie unfassbar vielfältig die Teenuancen sein können. Beim letzten Besuch des Verfassers gab es kein Restaurant, in dem der Tee auch nur einmal gleich wie in einem anderen geschmeckt hat.

Es gibt aber auch Anlass zur Hoffnung: Die Preise für srilankischen Tee, die bis dahin sehr hoch waren, haben sich seit dem Sommer 2023 abgekühlt, da sich die Produktion im viertgrößten Teeanbaugebiet  der Welt zu erholen beginnt. Das spricht für eine zunehmende Normalisierung auf den Plantagen, die sehr viele Menschen vor Ort nicht nur ernähren, sondern ihnen auch Bildung und ein Dach über dem Kopf bieten.

Der wöchentliche Durchschnittspreis der Colombo-Teeauktion lag Mitte Juni bei etwa 965 sri-lankischen Rupien (3,12 US-Dollar) pro Kilogramm, dem niedrigsten Stand seit etwa 15 Monaten. Auch die Preise liegen etwa 40 % unter dem im September erreichten Allzeithoch. Das ist in der Tendenz gut für das wunderschöne Land und bringt wieder mehr Tees zu den Teeliebhaber in aller Welt.

Der Teeguru meint:  Die radikale und plötzliche Umstellung der Landwirtschaft auf 100 Prozent Bio hat in Sri Lanka mit Sicherheit zur desolaten Situation des Landes beigetragen. Für die Misere allein verantwortlich aber ist sie auf keinen Fall. Eine angeordnete Ökologisierung der Landwirtschaft ohne heftige Ertragsverluste kann nur behutsam, langfristig durchdacht und Hand in Hand mit den Menschen, den Bauern vor Ort erfolgen – sei es in Sri Lanka oder sonstwo auf der Welt. Auch die weltweite Ausnahmesituation zu Coronazeiten hat sicher nicht dazu beigetragen, ein stabiles Umfeld für eine solche an sich vernünftige Maßnahme zu schaffen. Auch die Politik hat mit fehlender Kommunikation und einem unrealistischen Zeitplan einen hohen Anteil an der Gesamtsituation.

Deswegen empfiehlt es sich unbedingt, jetzt schon auf die vorhandenen Bio-Produkte der bereits umgestellten Plantagen zu setzen, zum Beispiel den wunderbaren “Sri Lanka Gold” aus Dimbulla oder aus dem Anbaugebiet Uva den “Ceylon´s Secret Garden” von “Just T”, die darauf achten, größtenteils Tee von Familienbetrieben zu verarbeiten . Niemand will Pestizide Gifte im Tee haben. Je mehr wir auf Qualität achten, desto mehr wird sich durch den Markt die Produktion ganz von selbst behutsam in Richtung „organic“ verschieben. Und davon profitieren auch die Menschen, die unsere Teeblätter pflücken und zu traumhaften Tees verarbeiten.

 

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Max
4 Monate zuvor

Als ein echter Teeliebhaber, der die Schönheit Sri Lankas erlebt hat, verstehe ich, dass die plötzliche Umstellung auf Bio-Landwirtschaft für viele Bauern schwierig war. Es war offensichtlich ein Fehler, sie nicht genug zu unterstützen, als sie auf biologische Methoden umgestellt haben. Aber es waren nicht nur diese Entscheidungen, die zu den Problemen geführt haben. Die Pandemie hat die Dinge noch komplizierter gemacht.
Trotz allem bin ich optimistisch, dass sich die Situation langsam verbessert. Wir sollten die bereits vorhandenen Bio-Produkte unterstützen und einen Weg für eine langsame, aber sichere Veränderung ebnen. Wenn wir hochwertige Produkte kaufen, helfen wir nicht nur dem Markt, sondern auch den Bauern vor Ort, die unsere Lieblingstees herstellen.

Träumerin
6 Monate zuvor

Super Artikel, Danke für die vielen Infos und Hintergrundinformationen. Sri-Lanka ist ein wunderschönes Land, ich möchte irgendwann selbst einmal wieder dorthin reisen, diesmal vielleicht in Kombination mit den Malediven…Bis dahin trinke ich aber erst mal eine Tasse Tee aus Sri Lanka, mit einem Schuss Milch und bin froh, in einem Land zu leben, in dem es an diesem Grundnahrungsmittel noch nicht mangelt 😉

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