Ökotest 2023: "Cocktail an Pestiziden" im Schwarzen Tee

Niemand möchte, wenn er sich die Zeit und Ruhe für einen außergewöhnlichen Aufguss nimmt, darüber nachdenken, ob der Tee auch wirklich gesund ist. Wir wollen das Ritual, den Teegeschmack und seinen Geruch mit allen Sinnen genießen. Doch was, wenn in der Tasse ohne unser Wissen Giftstoffe und belastende Inhalte vorkommen? Bei Öko-Test haben im Oktobertest nur zwei Schwarzteeprodukte mit “sehr gut” abgeschnitten. In vielen Sorten fand sich Glyphosat. Was kann man bedenkenlos trinken und was ist da los?

Öko-Test hat sich in der November-Ausgabe dem schwarzen Tee gewidmet. Das Fazit: In manchen Produkten steckt laut den Testern ein “ganzer Cocktail an Pestiziden”. Glyphosat beispielsweise ist in allen konventionellen Tees enthalten. Von 24 Marken-Produkten sind nur zwei mit “sehr gut” und fünf mit “ungenügend” bewertet worden.

Aldi nimmt beanstandeten Tee aus Sortiment

Mit den meisten verschiedenen Spritzgiften belastet ist ein Norma-Produkt, der Cornwall Ceylon-Assam Schwarzer Tee. Hier sind sieben verschiedenen Pestizide nachgewiesen worden, weswegen der Tee mit “ungenügend” bewertet wurde. Auch die Westminster Tea Schwarztee-Mischung von Aldi Nord wurde mit “ungenügend” benotet.

Das Labor fand einen Gehalt an Chlorat, der den gesetzlichen Grenzwert deutlich überschreitet. Chlorat kann, über einen längeren Zeitraum in zu hohen Gehalten aufgenommen, die Aufnahme von Jod hemmen und die Schilddrüse schädigen. Aldi Nord reagierte auf die Ergebnisse von Öko-Test und teilte mit, diesen Tee ab sofort nicht mehr anzubieten.

Öko-Test findet Pestizide auch in Bio-Tee

Der schwarze Tee von dm Bio verfügt über das Bio-Siegel von Naturland und eines von Fairtrade. Der Befund aus dem Labor zeigt, dass in dem Tee aus biologischem Anbau das Pestizid Dicofol enthalten ist. Das ist ein Kontaktgift gegen Spinnmilben, das in der EU im Anbau seit vielen Jahren verboten ist. Dicofol fällt unter die “Stockholm Convention” – eine Liste von international hoch geächteten und lang haltbaren Schadstoffen.

dm schickte Öko-Test ein eigenes Laborgutachten, laut dem der Tee kein Dicofol enthält. Öko-Test hat daraufhin das Ergebnis mit einer neuen Mischprobe überprüfen lassen, und auch hier gab es wieder einen positiven Befund. Das dm-Produkt ist der einzige Bio-Tee aus dem Test mit einem Pestizidrückstand und wurde mit “ausreichend” bewertet.

Bio verbietet synthetische Pestizide. Das ist auch ein erster wichtiger Schritt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Pestizide spritzen verboten, Rückstände aber erlaubt

Das Groteske laut Öko-Test sei, dass Rückstände von verbotenen Pestiziden erlaubt sind, denn die Pestizide sind in der EU nur im Anbau verboten. Von insgesamt zwölf Spritzgiften, die das beauftragte Labor in den 24 Tees nachgewiesen hat, sind fast alle vom Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN) als “hochgefährlich” eingestuft. Sechs davon sind in Deutschland verboten oder nicht mehr zugelassen.

Erschreckend fanden die Tester von Öko-Test, dass in jedem geprüften konventionell angebauten Tee Glyphosat gefunden wurde. Alle gemessenen Pestizidrückstände bewegen sich jedoch weit unter den gesetzlich zugelassenen Mengen, so dass sie von Öko-Test als “Spuren” bewertet werden. Akut giftig sind sie nicht. Das wird auch in der Einleitung unumwunden zugegeben und sollte für den Teetrinker etwas Beruhigung bringen.

Zitat Ökotest: “Wohl wahr: Die Mengen an gefährlichen Pestiziden, die wir in den geprüften Tees gefunden haben, sind klein.Dass wir nur wenig Tee aufgießen, dass nicht die gesamten Stoffe übergehen und dass das Wasser den Schadstoffcocktail noch einmal gehörig verdünnt, spricht zwar dafür, dass das gesundheitliche Risiko, das wir in unserem Sessel am Fenster mit einer Tasse Tee eingehen, eher gering ist. Doch das große Risiko tragen andere: Menschen, die auf den Teeplantagen arbeiten müssen.”

Probleme vor allem beim Spritzen der Pestizide

Öko-Test prangert den Einsatz der Pestizide aber an, weil die Giftstoffe für die Menschen, die sie in den Anbauländern spritzen – viel fataler und toxischer sind. Gerade weil diese Arbeiter meist nicht mit entsprechender Schutzkleidung ausgestattet sind.

Bestnote für komplett sauberen Bio-Tee

Überzeugt haben die Tester zwei Bio-Anbieter – sowohl was den Teeanbau als auch die Transparenz angeht. Der “Lebensbaum Assam Schwarztee” ist der Primus unter den Schwarztees. In sämtlichen Testkategorien erhielt er Bestnoten. Er zeichnet sich nicht nur durch seinen Geschmack aus, sondern auch durch transparente Lieferketten und faire Arbeitsbedingungen. Und da dieser Tee auch ansonsten komplett sauber ist, kommt er im Gesamturteil auf die Bestnote.

Ebenfalls positiv bewertet wurde der “Tee Gschwendner Darjeeling FTGFOP1” der sowohl in ökologischer Hinsicht als auch in Bezug auf soziale Standards überzeugte. Der “Alnatura Darjeeling Blatt” erhielt ebenfalls gute Noten und wurde als pestizidfrei eingestuft. 

Testverfahren von Öko-Test beim Schwarztee

Getestet wurden 24 Schwarztees, darunter zehn Bio-Produkte. Im Labor sind die Tees auf ein breites Spektrum an Pestiziden getestet worden, unter anderem Anthrachinon und Nikotin. Beide waren ursprünglich als Pestizide zugelassen, gelangen nach aktueller Studienlage aber über andere Wege auf die Teeblätter. Bei den Untersuchungen sind allenfalls Spuren der Substanzen gefunden worden.

Darüber hinaus haben die Unternehmen umfangreiche Fragenbögen zu den Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen auf den Plantagen sowie zur Offenlegung der Lieferkette und Zertifizierungen gestellt bekommen. Die Antworten und Belege sind nach einem Punktesystem bewertet worden.

Die Untersuchung unterstreicht, dass die Pestizidbelastung in einigen Tees alarmierend hoch ist und auf die problematischen Arbeitsbedingungen hinweist, unter denen Teepflücker in verschiedenen Ländern arbeiten. Die besten Bio-Produkte, wie Lebensbaum und Tee Gschwendner, setzen auf transparente Lieferketten und faire Arbeitsbedingungen.

Der Teeguru meint: Teekauf ist Vertrauenssache. Leider ist die gesamte Lieferkette beim Tee sehr umfangreich und daher sehr teuer nachzuvollziehen. Deshalb muss man beim Teehandel darauf hoffen, dass regelmäßige Qualitätskontrollen stattfinden. Leider schmeckt man Rückstande nur selten. Deswegen kauft der Teeguru, wenn er sortentechnisch die Wahl hat, bevorzugt Bio-Tees. Das scheint immoment der einzige Hebel zu sein, um beim Teegenuss relativ sicher zu sein. Und unterstützt alle Menschen auch in den Anbaugebieten, indem der Ökoanbau langsam ausgebaut wird. Damit wir uns in Zukunft auf den Genuss konzentrieren können, wünscht sich der Teeguru.

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Dari
4 Monate zuvor

Die Ergebnisse von Öko-Test zu Pestiziden im Schwarztee sind alarmierend und verdeutlichen die Notwendigkeit einer bewussten Kaufentscheidung. Trotz des Bio-Siegels enthalten einige Tees Rückstände, was besorgniserregend ist. Die Reaktion von Aldi Nord, beanstandete Produkte aus dem Sortiment zu nehmen, zeigt verantwortungsbewusstes Handeln. Bio-Tees von Anbietern wie Lebensbaum und Tee Gschwendner scheinen eine sicherere Option zu sein. Als Verbraucher ist es wichtig, auf transparente Lieferketten und faire Arbeitsbedingungen zu achten. Ich persönlich werde nun vermehrt auf Bio-Tees umsteigen, um das Risiko von Pestizidbelastungen zu minimieren und die Nachhaltigkeit der Teeproduktion zu unterstützen.

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