Indien: Teepflanzer schlagen Alarm - mehr Spielraum bei Teeernte 2024
Die indischen Behörden geben jährlich den letzten Termin für die Pflückung und Verarbeitung des Tees in verschiedenen Bundesstaaten bekannt, um die Produktion von minderwertigem Tee zu vermeiden. Der diesjährige Termin sorgt allerdings für Ärger unter Produzenten und verarbeitenden Fabriken. Die kleinen Teepflanzer und die Besitzer der Teefabriken haben sich deshalb schriftlich an das Tea Board gewandt, und um eine Verlängerung des Produktionszeitraums für das laufende Jahr gebeten.
„Am 15. Juli teilte das Tea Board in einer Verfügung mit, dass in Bengalen bis zum 30. November Teeblätter gepflückt werden können. Wir sind der Meinung, dass bis Mitte Dezember gepflückt werden kann und die Produktion fortgesetzt werden kann. Deshalb haben wir einen Brief an die Behörde geschickt und um eine Verlängerung des Termins gebeten“, sagte Bijoygopal Chakraborty, Präsident der „Confederation of Indian Small Tea Growers‘ Associations“ (Cista).
Während des Winters ruht die Produktion für etwa drei Monate, da die Teesträucher in einer Ruhephase sind. Die Behörde gibt das Datum bekannt, an dem die Pflückung im nächsten Jahr beginnen wird.
Nach Angaben von Chakraborty hat die Teeproduktion in Bengalen in diesem Jahr wegen des schlechten Wetters gelitten. „Wir liegen in Nordbengalen wegen der ungünstigen Witterungsbedingungen bisher um rund 80 Millionen Kilo im Rückstand. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Industrie von diesem Verlust erholen wird. Dies ist ein weiterer Grund, warum wir eine Verlängerung des Termins beantragt haben“, sagte er.
In Nordbengalen gibt es rund 50.000 Pflanzer, die mehr als die Hälfte der Produktion des Bundesstaates erwirtschaften. „Während der unproduktiven Zeit (Wintersaison) leben die Erzeuger von den Einnahmen, die sie bis zum Ende der Saison erzielen. Die Verlängerung wird ihnen helfen, etwas mehr zu verdienen“, so der Cista-Präsident.
Nach dem Produktionstrend der letzten vier bis fünf Jahre werden etwa sieben Prozent der gesamten Teemenge im Dezember produziert.
Sanjay Dhanothi, Präsident der North Bengal Tea Producers‘ Welfare Association, die die Teeproduzenten vertritt, hat ebenfalls ein Schreiben an die Behörde gerichtet, in dem er eine Rücknahme des aktuell ausgegebenen Produktionsstop fordert. „Wir haben bereits Produktionseinbußen erlitten, und jetzt wird eine vorzeitige Schließung unsere finanziellen Belastungen nur noch verschlimmern und unsere Einnahmen im Dezember beeinträchtigen“, sagte er.
Während der 30. November der letzte Tag für die Pflückung ist, hat die Behörde angegeben, dass alle Teefabriken in Bengalen bis zum 2. Dezember 2024 schließen müssen.
https://www.statista.com/statistics/1236739/india-tea-production-volume-in-west-bengal-by-category/
Der Teeguru meint:
Wer sich nicht nur für den Genuß unserer Lieblingspflanze interessiert, sondern auch verstehen möchte, warum Tee unterschiedlich schmeckt und unterschiedliche Qualitäten aus denselben Anbaugebieten angeboten werden, der kann es an dieser Meldung aus dem Kernland der Teeproduktion nachvollziehen.
Hier geht es um eine Grundsatzfrage der Teeproduktion weltweit: Menge kontra Qualität. Während Teebauern und Teefabriken gerne ihr diesjähriges Minus in der bisherigen Jahresproduktion durch verlängerte Erntezeiten ausgleichen möchten, liegt dem Ministerium das Image und die Qualität der dort angebauten Tees mehr am Herzen. Es ist bekannt, dass die grundsätzliche Qualität der Teeernte in Richtung Wintermonate abnimmt. Eine schlechtere Qualität kann zu Exportverlusten führen und das Image der hoch angesehen Tees aus Indien längerfristig schädigen.
Es gilt also, die Interessen der Produzenten einerseits als auch die langfristige Imagepflege der Teemmarken anderseits sauber abzuwägen, damit alle vernünftig damit leben können.
Ein grundlegendes Thema für die Hersteller im Nordosten Indiens, zu denen auch der Distrikt Darjeeling gehört. Für Hersteller aus anderen Ländern eher ein Luxusproblem. Denn wer sich überhaupt mit der Frage des eigenen Images und der eigenen Marke beschäftigen kann, der hat es schon weit geschafft in der Welt des produzierenden Tees. Von solchen „Problemen“ können andere Teeländer beispielsweise in Afrika nur träumen. Dort mangelt es an Standards und Vorgaben, um einheitlich hohe Teequalitäten überhaupt erst zu produzieren.