Fencheltee gefährlich für Schwangere und Kleinkinder?

Fencheltee ist in allen Altersgruppen als Mittel gegen Blähungen beliebt. Doch wegen des Estragol-Gehaltes sollte mancher Teetrinker sein Teetrinkverhalten überdenken. Darauf macht unter anderem die Europäische  Arzneimittelagentur aufmerksam. Welche sonstigen Lebensmittel können ebenfalls Estragol enthalten und sind deshalb für Schwangere, Stillende und Kleinkinder nicht zu empfehlen? Was bedeutet das für die Bevölkerung? Teeguru hat sich des Themas angenommen.

Viele von uns Teetrinkern kennen den guten, alten Fencheltee als Hausmittel, um Blähungen zu reduzieren und den Magen zu beruhigen. Ganze Generationen sind mit dem nicht immer geschmacklich beliebten Kräutertee groß geworden. Dass das Naturprodukt möglicherweise aufgrund eines Inhaltsstoffes für bestimmte Gruppen nachteilig für Körper und Gesundheit sein könnte, hätte auch der Teeguru eher nicht für möglich gehalten. Dem scheint nach aktuellen Forschungsergebnissen aber so zu sein.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) empfiehlt, Fencheltee erst für Kinder ab vier Jahren zuzubereiten. Auch stillende Mütter und Schwangere sollten keine estragolhaltigen Heilmittel oder Tees zu sich nehmen. Da der Estragolgehalt in verschiedenen Teeangeboten stark schwankt, kann die Dosis in manchen Tees für Kleinkinder zu hoch sein.

EMA setzt Richtwerte

Im Januar dieses Jahres hat das Committee on Herbal Medicinal Products” (HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur eine neue Monographie zu Fenchel veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: „In der Allgemeinbevölkerung sollte die Exposition gegenüber Estragol so niedrig wie praktisch möglich gehalten werden. Bei schwangeren und stillenden Frauen sollte die tägliche Aufnahme von Estragol unter 0,05 mg/Person und Tag liegen. Bei Kindern unter 12 Jahren muss die tägliche Aufnahmemenge an Estragol unter 1,0 µg/kg Körpergewicht liegen“.

Neben Fencheltee kommt Estragol auch in Gewürzen wie Anis, Basilikum, Sternanis, Piment, Muskatnuss, Zitronengras und Estragon vor. Die EMA empfiehlt, diese Gewürze nur gelegentlich in der Küche zu verwenden. „Viele häufig verwendete Kräuter sind sicher, wenn sie in moderaten Mengen konsumiert werden.

Wer seinem Kind unter vier Jahren bisher Fencheltee gegeben hat oder als Schwangere oder Stillende Fencheltee getrunken hat, muss sich jetzt keine großen Sorgen machen. Die Relevanz der bisher vorliegenden Daten für den Menschen ist noch nicht abschliessend geklärt und Gegenstand weiterer Forschung, heisst es. Da eine exakte Dosierung des Wirkstoffs im Tee aufgrund von Faktoren wie Wassertemperatur und -menge oder Ziehzeit nicht möglich ist, sollte man es aber in der angesprochenen Zielgruppe einfach sicherheitshalber mit dem Tee nicht übertreiben oder ihn erst einmal weglassen.

Was ist Estragol?

Die Substanz Estragol ist ein Bestandteil ätherischer Öle, die in zahlreichen Pflanzen in unterschiedlicher Stärke vorkommen. Sie gilt als sogenanntes „genotoxisches Karzinogen“ bei Nagetieren. Mehrere Studien haben die krebserregende Wirkung von Estragol und einigen seiner Metaboliten bei Mäusen (Lebertumoren) gezeigt. Auch bei Ratten gibt es indirekte Hinweise auf Karzinogenität. Bei schwangeren weiblichen Mäusen wurden morphologische Veränderungen, Skelettanomalien und Zellveränderungen festgestellt.

Die wichtigsten Quellen für Estragol aus pharmazeutischer Sicht sind

– Fenchel, Fenchelöl

– Anis, Anisöl, Sternanis und Sternanisöl.

Der Teeguru meint:

Es ist wie immer mit neuen medizinischen Forschungsergebnissen. Genaues weiss man nicht, aber irgendwie scheint es gute Gründe zu geben, diese Warnung auszusprechen. Der Umstand, dass dem normalen Teeliebhaber absolute Zahlen als Grenzwerte pro Tag für eine solche Substanz nichts nutzen, trägt nicht gerade zur Beruhigung bei.

Erst einmal bleibt festzuhalten, dass in der Vergangenheit ganze Generationen mit dem gelegentlichen Gebrauch von Fencheltee aufgewachsen sind und diese Zeit offensichtlich überlebt haben. Akut scheint also faktisch kein Problem zu bestehen. Wer allerdings den Tee sehr oft zu sich nimmt, schwanger ist oder kleine Kinder hat, der sollte vielleicht den Gebrauch erst einmal herunterfahren und auf Alternativen setzen, bis es weitere Erkenntnisse zur Gefährlichkeit der Substanz im Tee gibt. 

Also die neusten Erkenntnisse entspannt zur Kenntnis nehmen, den Konsum vielleicht hinterfragen und erstmal eine Tasse Tee trinken – kommt Zeit, kommt Rat und nneue Studien zum Thema.

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