Bundesweiter Rückruf: Bio-Brennessel Tee von Bünting – Was Sie wissen müssen!
Achtung, Tee-Liebhaber! Ein Bio-Tee mit Brennnesseln, hergestellt vom Teehandelshaus Bünting, kann Ihre Gesundheit gefährden. Das Unternehmen hat einen bundesweiten Rückruf angeordnet, da bei Stichproben ein erhöhter Wert an Pyrrolizidinalkaloiden festgestellt wurde. Diese Inhaltsstoffe können bei regelmäßigem Konsum zu gesundheitlichen Beschwerden führen. Wenn Sie also einen Bio-Tee mit Brennnesseln vom Teehandelshaus Bünting mit den betroffenen Chargennummern besitzen, sollten Sie ihn nicht trinken und ihn gegen Rückgabe des Geldes zurückgeben. Lesen Sie auf teeguru.net alle Details zum Rückruf und erfahren Sie, wie Sie sich vor möglichen gesundheitlichen Risiken schützen können.
Das Teehandelshaus warnte eindringlich vor dem Genuss des Rückruf-Produkts, da es gesundheitsschädliche Pyrrolizidinalkaloide enthalten könnte. Die Begründung basierte auf Stichproben, die einen erhöhten Wert dieser Inhaltsstoffe feststellten. Diese Stoffe sind natürlich in bestimmten Pflanzenarten vorhanden und werden als Abwehr gegen Fressfeinde produziert. Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass diese Stoffe bei regelmäßigem Konsum zu massiven gesundheitlichen Beschwerden führen können. Derzeit hat der Anbieter den Brennesseltee vollständig aus dem Online-Verkauf genommen
Details des Rückrufs durch das Teehandelshaus Bünting
Betroffen von diesem Rückruf sind alle Packungen des Bio-Brennnessel-Tees, insbesondere die mit den Chargennummern L2435 27, L2435 28, L2435 29, L2438 16, L2438 17, L2438 18 und L2438 19. Es handelt sich um 20 x 2g Teebeutel mit Mindesthaltbarkeit bis August und September 2027.
Die Verbraucher sind daher aufgefordert, das Produkt gegen Rückzahlung des Kaufpreises zurückzugeben. Das Teehandelshaus Bünting hat angekündigt, dass sie die volle Kostenerstattung gewährleisten, unabhängig davon, ob ein Kassenbeleg vorhanden ist oder nicht.
Was sind Pyrrolizidinalkaloide?
Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind Pflanzenstoffe, die nach Aufnahme die Gesundheit, besonders die Leber, schädigen können. Sie sind in Lebens- und Futtermitteln unerwünscht und können durch das Miternten von PA-haltigen Pflanzenteilen und Samen (Unkraut) in die Nahrung gelangen.
Gesundheitsrisiken
Tierversuche haben gezeigt, dass der regelmäßige Verzehr von relativ kleinen PA-Mengen krebserregend sein kann und die Aufnahme von größeren Mengen sogar tödlich sein kann. Dabei besteht insbesondere bei Kindern, Schwangeren und Stillenden das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung.
Untersuchungen zu Pyrrolizidinalkaloiden (PA) in Lebensmitteln
In einer 2015 von der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) veröffentlichten Studie wurden Pyrrolizidinalkaloid-Gehalte in insgesamt 1.105 pflanzlichen und tierischen Produkten aus sechs europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, die Niederlande und Spanien) analysiert und bewertet (EFSA 2015).
Über 90 Prozent aller im Auftrag der EFSA untersuchten Teeproben enthielten Pyrrolizidinalkaloide (EFSA 2015). Die mittlere Konzentration im Teeaufguss lag bei 6 µg/l. Die höchsten Konzentrationen fand man in Rotbuschtee (bis zu 64 µg/l Teeaufguss). PA-Gehalte in Tee schwanken jedoch mitunter sehr stark. So kommt es häufig vor, dass eine untersuchte Probe einer Teesorte (z. B. Grüntee) einer Marke gar keine PA enthält, während dieselbe Teesorte einer anderen Marke sehr hohe Gehalte aufweist.
Symptome einer Vergiftung
Charakteristisch für eine PA-Vergiftung sind Schmerzen im Oberbauch, Bauchwassersucht, Übelkeit und Erbrechen. In einigen Fällen kann es zu Gelbsucht und Fieber kommen. Nach einigen Wochen kann eine Lebervergrößerung und -verhärtung feststellbar sein.
Bekannte Fälle
Es gab in der Vergangenheit Fälle von akuten PA-Vergiftungen. Zum Beispiel waren 1977/1978 zwei Kleinkinder betroffen, denen eine bestimmte Art an Kreuzkraut (Senecio longilobus) über den Zeitraum von 4 bis 14 Tagen als Kräutertee verabreicht wurde. Dies führte bei einem zwei Monate alten Baby leider zum Tod. Bei einem sechs Monate alten Mädchen wurde einige Monate später eine Leberzirrhose festgestellt.
Vorkommen von Pyrrolizidinalkaloiden und mögliche Aufnahmequellen
Weltweit wurden Pyrrolizidinalkaloide (PA) bisher in etwa 350 Pflanzenarten nachgewiesen. Interessanterweise sind diese Stoffe vor allem in den Familien der Korbblütengewächse, Raublattgewächse und Hülsenfrüchtler zu finden. In Europa heimische PA-bildende Pflanzen sind zum Beispiel Vertreter der Gattung Greiskraut, Huflattich und Pestwurz aus der Familie der Korbblütler sowie Natternkopf, Borretsch und Beinwell aus der Familie der Raublattgewächse.
Die Verbindung selbst ist oft nur schwach toxisch oder inaktiv. Die toxischen Abbauprodukte, die während des Stoffwechsels in der Leber entstehen, können jedoch zu schweren Leberfunktionsstörungen führen. Daher ist es wichtig, sich bewusst zu sein, dass Tees oder Produkte wie Honig oder Gewürze eine Hauptaufnahmequelle für diese Pflanzengifte darstellen können.
Das Vorkommen von PA in Pflanzen hängt stark von Pflanzensorte, klimatischen Bedingungen, Saison und Teil der Pflanze ab. PA können durch das Miternten von PA-haltigen Pflanzenteilen und Samen in die Nahrung gelangen, z.B. in Gewürze, Tees, Blattgemüse und Salat.
Der Teeguru meint:
Viele Rückrufe sind oftmals sehr prophylaktisch. Dieser Fall allerdings ist nicht nur ernst zu nehmen, sondern für den passionierten Teetrinker auch ein kleiner Schlag ins Gesicht.
Ausgerechnet Bio-Tee, und ausgerechnet den deutschen Traditionshersteller Bünting, der im allgemeinen als extrem zuverlässig bei der Auswahl seiner Produkte gilt, hat es getroffen.
Obwohl der Teeguru immer zu Bio-Tees rät, ist auch dieser Tee nicht von solchen Stoffen sicher.
Warum ist das so?
Das PA ist an sich ein normaler Stoff, der in solche Pflanzen gehört. Eine Funktion der Natur, um die Pflanzen vor Fressfeinden zu schützen. Ist ihre Konzentration durch unbekannte Gründe einmal zu hoch, hat das direkte Auswirkungen auf den daraus aufgebrühten Tee. Ob es sich dann um Bio-Tees oder konventionelle Produkte handelt ist nicht mehr relevant.
Bereits in anderen Artikeln hat der Teeguru immer empfohlen, bei Kräutertees auf Bio zu setzen, um zumindest das Risiko der Schadstoffbelastung zu reduzieren. Aber was kann man tun, um das Risiko der PA´s zumindest gering zu halten?
– Bei Kräutertees niemals dauerhaft auf eine Sorte derselben Marke setzen, sondern gelegentlich variieren.
– Vorsicht vor Rooibustees. Sie enthalten nach Tests öfter hohe Konzentrationen
– Nicht nur auf Kräutertees setzen, sondern im Laufe des Tages und der Woche auch einmal mit Grün- oder Schwarztees variieren. In diesen Sorten ist seltener ein hoher PA-Wert gemessen worden.
– Wer auf Kräutertees den ganzen Tag nicht verzichten kann, möglichst Mischungen verschiedener Kräuter verwenden. Der Anteil einer einzelnen kontaminierten Sorte ist dann nicht so hoch in der Tasse, hohe Konzentrationen eher unwahrscheinlich.
– Kindern vorrangig Trinkwasser und nicht ausschließlich Kräutertee als Durstlöscher anbieten. Als Alternative zu Kräutertee und Tee können auch Früchtetees oder ungesüßte verdünnte Fruchtsäfte angeboten werden.
– Schwangere und Stillende sollten Kräutertees nicht regelmäßig und nicht zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs trinken (auch nicht Kräuter-Stilltees).