Teegelesen: Curt Maronde – die Sieben Regeln der perfekten Teezubereitung

„Vom chinesischen Kaiser Hui-tsung stammt der Ausspruch: Drei Dinge auf der Welt sind höchst bedauernswert: Das Verderben bester Jugend durch falsche Erziehung, das Schänden bester Bilder durch gemeines Begaffen und die Verschwendung besten Tees durch unsachgemäße Behandlung.

Auch der allerbeste Tee kann enttäuschen, wenn er lieblos zubereitet wird. Das Aufbrühen ist aber durchaus keine Geheimwissenschaft und gar nicht kompliziert, sondern kinderleicht. Es genügt, wenige Grundregeln zu kennen und ein paar einfache Tips und Trick zu beherzigen.

1.Tee muß kräftig und belebend sein, ein zu dünner Aufguß schmeckt fade. Nehmen Sie einen gestrichenen Teelöffel für Broken-Tees und einen gehäuften für Blatt- Tees pro Tasse oder einen Tee-Aufgußbeutel. Liebt man seinen Tee sehr stark, gibt man noch einen Teelöffel voll für die Kanne extra hinzu.

2.Der Tee muß blumig und lieblich duften. Nehmen Sie nur ganz frisches Leitungswasser, also kein abgestandenes oder zerkochtes. Lassen Sie es nur kurz aufkochen und gießen Sie es sprudelnd über die Teeblätter. […] Unnötig und für das Aroma nicht förderlich ist es, den Tee durch Papier zu filtern, alle Behauptungen in der Hinsicht sind falsch.

3.Die Teeblätter geben Sie in eine gut vorgewärmte Kanne. In dies Aufgußgefäß soll, genau wie in die Servierkanne, in die Sie den Tee nach dem Ziehen umgießen, nie etwas anderes als Tee hineinkommen. Zum Reinigen genügt Ausspülen mit heißem Wasser. Nie Seifenwasser oder chemische Spülmittel nehmen, also auch niemals in der Spülmaschine spülen!

Die braune Patina, die sich mit der Zeit an den Innen- wänden der Kanne absetzt, kann ruhig drin bleiben.

4.Nach dem Aufgießen geben die Teeblätter in den ersten 2-3 Minuten ihr anregendes Koffein ab, das beim Tee häufig Teein genannt wird. Die beruhigenden Gerbstoffe werden dann in den folgenden Minuten mehr und mehr aus den Blättern gezogen. Für die Dosierung kann gelten: je länger Sie den Tee ziehen lassen, desto beruhigender wirkt er auf den Magen- und Darmtrakt. Je kürzer Sie ziehen lassen, desto belebender ist der Genuß. Lassen Sie den Tee aber nie länger als 5 Minuten ziehen, sonst wird er bitter.

5.Gießen Sie zum Schluß den Tee aus dem Aufgußgefäß in die ebenfalls vorgewärmte Servierkanne ab. Dieses Umgießen können Sie sich ersparen, wenn Sie ein Teesieb aus Stoff oder Bambus verwenden, das in die vorgewärmte Kanne gehängt wird und die Teeblätter aufnimmt. Geschmacksfreie Teenetze aus Baumwolle gibt es in 3 Größen, für jede Kanne passend. In so einem Stoffsieb kann der Tee sein Aroma und seine Wirkstoffe voll entfalten. Baumwollnetze, die für aromatisierte Tees benutzt werden, sind allerdings nicht mehr für andere Teesorten verwendbar, da sie das Aroma annehmen.

Ganz im Gegensatz zu dem früher viel benutzten Tee- Ei aus Porzellan oder Metall. Es ist leicht einzusehen, daß der Tee darin wie in einer Zwangsjacke steckt. Solche Tee-Eier sind ganz und gar ungeeignet.

Es gibt im Handel auch praktische Teesiebkannen aus Ton, Steingut und Porzellan. Die Teeblätter kommen in das eingebaute, tief in die Kanne reichende Teesieb.

6.Ob Sie den Tee pur – also ohne jede Zutat – oder mit Milch, Sahne oder Zitrone trinken, ist Geschmackssache. Zitronen- oder Apfelsinenschalen, die Sie gerieben oder in ganzen Scheiben hinzufügen, sollten von Früchten stammen, die nicht chemisch präpariert sind. Geben Sie nur die Schalen in den Tee, so schälen sie recht dünn, damit die weiße Innenhaut, die bitter schmeckt, nicht mit in das Getränk kommt. Wollen Sie auch den Saft von Apfelsinen oder Zitronen verwenden, so muß er vorher durchgesiebt werden, damit die beim Auspressen hineingeratenen Fruchtfleischstückchen und Kerne zurückbleiben. Bei manchen Rezepten garniert man das Getränk mit einer Apfelsinen- oder Zitronenscheibe, die auf den Glasrand gesteckt wird.

Rum, Arrak, Weinbrand und sonstiger Alkohol verändert natürlich den zartbitteren Wohlgeschmack des Tees. Aber vielleicht sind Ihren Gästen an kalten Tagen solche geistigen Zutaten willkommen. Außerdem sollten Sie ihnen noch ein paar andere Zutaten auf den Tisch stellen: Sahne und Zitronenscheiben, Kristall- oder Würfelzucker und nach ostfriesischer Art Kluntjes (weißer Kandiszucker).

Sie können den Tee auch statt mit einem Löffel mit Zimtstangen umrühren. Oder den Würfelzucker vor dem Servieren an einer Zitronen- oder Orangenschale abreiben. Statt oder neben Zucker können Sie auch eingemachte süße Kirschen zum Tee servieren, ein oder zwei Nelken in die Teekanne tun usw.

Was sie zum Essen, Knabbern und Lutschen auf den Teetisch stellen, hängt von der Stunde ab. Immer richtig sind englischer Früchtekuchen, feine Kekse, Petit Fours, pikante Sandwiches und Pastetchen.

7.Wenn Sie bei der Zubereitung Zeit sparen wollen oder sich im Betrieb oder zu Hause die Arbeit vereinfachen müssen, bieten sich die praktischen Teeaufgußbeutel an.

Als die ersten Teebeutel auf den Markt kamen, enttäuschten sie empfindliche Zungen. Ein Beigeschmack von Klebstoff, Mull oder Gaze störte. Das ist längst vorbei. Heute werden Markenteebeutel aus allerfeinstem Filterpapier hergestellt, das keinerlei Beigeschmack abgibt.

Die Teeaufgußbeutel mit schwarzem Tee gibt es heute in den allerbesten Qualitäten. Es ist nur eine Frage der richtigen Zubereitung und der enthaltenen Teequalität, daß Ihnen der sogenannte Beuteltee auch schmeckt. Nehmen Sie immer die ausreichende Menge, d. h. einen Teebeutel pro Tasse oder Glas, und die entsprechende Menge für die Kanne mit mehreren Tassen. Sparen wäre da grundverkehrt. Auch Teebeutel sind preiswert. Lassen Sie den Tee nicht länger als 5 Minuten ziehen oder bewegen Sie ihn, bevor sie ihn aus Tasse, Glas oder Kanne nehmen. Und bedenken Sie: die sehr feinen, gebrochenen Blätter im Teebeutel sind durch mechanischen Bruch so klein geworden, ihre Größe hat absolut nichts mit der Frage der Qualität zu tun.“

Curt Maronde ist ein deutscher Autor und Schriftsteller, bekannt für seine Werke über Tee und Kultur. Sein bekanntestes Buch ist “Rund um den Tee”, das 1981 veröffentlicht wurde.

Folge dem Teeguru - Newsletter abonnieren

* indicates required

Intuit Mailchimp

0 0 Bewertungen
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
de_DEDeutsch
Nach oben scrollen
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x