Greenpeace: Plastik in Teebeuteln inakzeptabel

Greenpeace hat bei einem Marktcheck in Österreich Kräutertees in den Supermärkten geprüft und dabei festgestellt, dass die meisten Tees in Plastikbeuteln verkauft werden. Eigentlich ging es primär um die Frage der Belastung mit Pestiziden. Die war aber sehr gering. Ein anderer Umstand bereitet Greenpeace mehr sorgen. Das Ergebnis ist eindeutig und spricht nicht für den Teebeutel in Bio-Qualität im Allgemeinen. Der Teeguru ordnet die Greenpeace-Aussagen ein.

 

Eines ist sicher, meint Greenpeace: Teebeutel enthalten immer Plastik. Die Beutel werden in der Umwelt nicht vollständig abgebaut und landen als Mikroplastik in der Natur. Studien belegen zudem, dass beim Aufguss von Teebeuteln aus reinem Plastik kleinste Teilchen im Teewasser zu finden sind. Diese können auch von Menschen aufgenommen werden. Deshalb fordert die Organisation, dass mehr lose Tees in den Regalen der Supermärkte angeboten werden. Außerdem sollen die Hersteller unnötige Verpackungen reduzieren und auf umweltschonende Materialien setzen.

Gundi Schachl, Leiterin des Greenpeace-Marktchecks, stellt klar: „Viele Menschen wissen nicht, dass Teebeutel Kunststoffe enthalten und somit am Komposthaufen kaum abbaubar sind.“ Die Beutel belasten die Umwelt – und sie können auch im menschlichen Organismus landen. Mehr als 90 Prozent davon werden in Teebeuteln verkauft. Teebeutel wiederum werden mit Kunststoffen wie Polypropylen (PP) verstärkt, reißfest gemacht und auch verklebt.

Immer öfter wird auch biobasiertes PLA (Polylactid) verwendet, weil es als umweltfreundlich gilt und sich dafür am besten eignet. Pyramidenförmige Teebeutel bestehen fast immer aus PLA, das aus Zuckerrohr oder Maisstärke hergestellt wird. PLA gehört daher nicht auf den Kompost, sondern in den Restmüll. Ein weiteres Argument gegen reine PLA-Teebeutel ist, dass nach dem Aufguss kleinste Partikel des Beutelmaterials im Teewasser landen und von menschlichen Darmzellen aufgenommen werden können. Es ist unter Umweltbedingungen teilweise schwer abbaubar und zerfällt beim Abbau in kleinste Teilchen, die von Organismen aufgenommen werden

Soviel zum Thema Plastik im Teebeutel. Darum ging es Greenpeace im eigentlichen Test aber nur am Rande. Eigentlich wollte man wohl die Pestizidbelastung und das Gesamtsortiment der Supermärkte zum Thema machen. Das taugte aber nur begrenzt als Story: Pestizide wurden nur unterhalb der Grenzwerte gefunden und die Märkte bieten allesamt bis auf Penny ein akzeptables Sortiment mit Herkunftsangaben.

Der Bio-Anteil bei Kräutertees ist beim Marktcheck erfreulicherweise auf 70 Prozent angestiegen. Das ist ein klares Zeichen, dass immer mehr Menschen zu Bio-Kräutertee greifen. Bei zwölf Prozent der geprüften Tees stammen die Zutaten aus österreichischem Bio-Anbau. Die biologische Landwirtschaft schont Böden und Wasser – chemisch-synthetische Spritzmittel sind hier einfach nicht erlaubt.

Bei 80 Prozent der beim Marktcheck geprüften Kräutertees gab es jedoch keine Infos zur Herkunft der Kräuter oder sie stammen aus weit entfernten Ländern wie China, Kasachstan, Kenia, Neuseeland oder Simbabwe.

Nach Angaben des Lebensmittelverbandes Deutschland tranken die Deutschen 2016 insgesamt 16,4 Milliarden Tassen Kräuter- und Früchtetee. Dies zeigt, dass Kräutertee auch in Deutschland ein beliebtes Getränk ist. Da zahlreiche Anbieter (Lidl, Hofer/Aldi oder Penny) im Test auch in Deutschland ihre Hausmarken verkaufen, hat der Check durchaus auch für die Bürger im norddeutschen Tiefland Relevanz. Wobei Penny im Gesamttest auch am schlechtesten abgeschnitten hat, da sowohl das Bio-Sortiment nur gering ist und die Herkunft des Kräutertees nicht deklariert war.

Der Teeguru meint:

Na sowas – da ist wohl der ursprüngliche Sinn und Zweck des Greenpeace-„Checks“ im Laufe des Test verloren gegangen. Kaum relevante Pestizidbelastung von Supermarkt-Bio-Kräutertees! Das ist die eigentliche Nachricht des Checks. Insgesamt ein wirklich umfassendes, gutes Produktrepertoire der bekannten Supermärkte. Und dann auch noch Bio – wer hätte das gedacht?

Wer den Markt kennt und verfolgt, ist davon nicht sonderlich überrascht. Bereits vor einigen Jahren haben große Handelsketten und bekannte Marken in Deutschland ihre Angebotspalette bei Kräutertees fast vollständig auch Bio umgestellt. Warum? Weil die Belastungen der aus der ganzen Welt angeschleppten Kräuter für die Mischungen zu miserablen Ergebnissen bei der Qualitätssicherung führten. Oft wurden giftige Unkräuter mit geerntet, die die Qualitätstests verhagelten, Stichwort „Pyrrolizidinalkaloide“.

.Kurzum galten Kräutertees immer als eine Wette auf die Marke. Und selbst die konnte oft nicht sicherstellen, dass die Kräuter auch nur halbwegs sauber sind. Deswegen haben weltweit gute Anbieter und Produzenten mit den Bedürfnissen der großen Handelsketten mitgezogen und die Produktionsbedingungen angepasst.

Wenn jetzt also Bio-Kräutertees getestet werden, überrascht das gute Pestizidergebnis bei Bioware nicht wirklich. Greenpeace aber musste dann offenbar umsteigen auf die Belastung durch Plastik, die bei Beuteltees derzeit sicherlich gegeben ist und sie nicht gerade zu nachhaltigen Vorreitern in  der Branche macht. Ob ein Teebeutel, der wenige Minuten in heißem Wasser steht, eine ernsthafte Belastung für den Organismus bedeutet, steht dann wieder auf einem anderen Blatt.

Für passionierte Teetrinker steht fest: Es geht nichts über losen Tee bei Qualität und Umweltbilanz. Wer losen Bio-Tee kauft, vermeidet auch unnötige Mehr- und Über-Verpackungen. Teebeutel sind oft ein notwendiges Übel, um in Hotels oder fremden Ländern zumindest ein halbwegs genießbares Produkt in die Tasse zu bekommen. Das sollte auch für Kräutertees gelten, die leider in der Tat laut Greenpeace wohl 90 % des gesamten Marktes bei Kräutertees ausmachen.

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Das kann ich mir gut vorstellen mit Greenpeace und der Pestizidbelastung. Aber solange es noch Plastik am Teebeutel gibt ist die Organisation noch nicht untergegangen..;-)

de_DEDeutsch
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