Überraschung in den Botanischen Gärten Bonn: Erster Tee aus eigener Produktion 2024

Die Botanischen Gärten der Universität Bonn feiern eine Premiere: Im Nutzpflanzengarten wurde die erste Ernte auf der in diesem Jahr angelegten „Teeplantage“ eingefahren. Die Anlage ist damit eine weitere kleine Teeplantage in Deutschland, die sich vom „großen Bruder“ aus dem Bergischen inspirieren ließ. Offenbar mit Erfolg. Auch wenn es den Uni-Tee nicht zu kaufen gibt, bietet die Teeplantage einen interessanten Einblick in die Teekultur und -produktion in Deutschland.

Acht verschiedene Sorten aus der Bretagne, der Ukraine, Georgien, Korea, Japan und China werden in der Plantage gezeigt. „Tee“ wird aus den jungen Blättern der Camellia sinensis gewonnen, die zur gleichen Gattung wie die bekannte Zierpflanze Kamelie gehört und wie diese in den Gebirgen Ostasiens beheimatet ist.

Seit vielen Jahren werden Kamelien in Botanischen Gärten mit großem Erfolg im Freiland kultiviert – da lag der Gedanke nahe, es auch einmal mit Tee zu versuchen. Die Pflanzung erfolgte im Frühjahr 2024 in Zusammenarbeit mit den „Tschanara-Teegärten“ in Odenthal-Scheuren und wurde mit Mitteln des Freundeskreises der Botanischen Gärten e.V. finanziert.

Hochwertiger Genuss aus heimischem Anbau

Auch dank des sehr feuchten Frühjahrs hat sich die Pflanzung prächtig entwickelt und in dieser Woche konnte die erste Ernte eingefahren werden – der erste „Bonner Tee“ konnte verkostet werden.

Die erste Ernte erfolgte von den großen Pflanzen der Sorte Ch’ilgok aus Korea nach dem traditionellen „two leaves and a bud“-Prinzip, bei dem nur die beiden obersten Blätter und die Knospe gepflückt werden. Diese schonende Methode garantiert höchste Qualität und ein unvergleichliches Aroma des Tees.

Blick hinter die Kulissen der Teeproduktion im Botanischen Garten Bonn

„Wir haben versucht, eine kommerzielle Teeplantage im Kleinformat nachzubauen – eine wunderbare Gelegenheit für Teeliebhaber, einmal zu sehen, wie Tee produziert wird“, sagt Prof. Dr. Maximilian Weigend, Direktor der Botanischen Gärten Bonn. „Wie sich der Tee in unserem Klima entwickelt, werden die nächsten Jahre zeigen – aber nach den Erfahrungen der letzten Jahre sind wir sehr zuversichtlich“.

Rund um die Teeplantage gibt es weitere ostasiatische Pflanzenarten, die entweder als Teeersatz oder zur Aromatisierung von Schwarztee verwendet werden.

Die Botanischen Gärten der Universität Bonn laden Interessierte ein, die Bonner Teeplantage im Nutzpflanzengarten am Katzenburgweg täglich von 10 bis 18 Uhr zu entdecken.

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn unterhält mit ihren Botanischen Gärten einen der ältesten dokumentierten und traditionsreichsten Botanischen Gärten Deutschlands. Unter dem Motto „Erforschen, Bewahren, Erklären, Erleben“ werden hier auf ca. 12 Hektar rund 11.000 Pflanzenarten kultiviert. Die Anlagen verteilen sich auf drei Standorte, wobei der historische Schlossgarten rund um Schloss Clemensruh in Bonn-Poppelsdorf den größten und bekanntesten Teil ausmacht. Daneben gibt es den öffentlichen Garten für die Sondersammlung von Nutzpflanzen und den nicht öffentlichen Melbgarten auf dem Venusberg.

Kernaufgabe der Gärten als universitäre Einrichtung ist die Forschung und Lehre. Hierfür wird in großem Umfang Anschauungs- und Studienmaterial zur Verfügung gestellt. Die Botanischen Gärten sind aber auch Naherholungsgebiet für die Bonner Bürger sowie Veranstaltungs- und Begegnungsstätte der Universität. Mit durchschnittlich 140.000 Besuchern pro Jahr sind die Gärten das größte Aushängeschild der Universität für die Bevölkerung.

Die Wurzeln des Botanischen Gartens reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück An der Stelle des heutigen Gartens stand im Mittelalter eine Wasserburg, die seit etwa 1340 im Besitz der Kölner Kurfürsten war.

Der Teeguru meint:

Neben einer bereits vorhandenen Teekultur etablieren sich zunehmend auch Teepflanzen in Deutschland. Neben der schon seit 1999 produzierenden Plantage Tschanara-Teegarten“ in Odenthal-Scheuren etabliert sich jetzt eine weitere Plantage, die zwar universitär betrieben wird, aber von der Begeisterung der beteiligten Personen am Tee zeugt.

Möglicherweise tragen die steigenden Temperaturen zum Überleben der Pflanzen im ansonsten nicht gerade „teepflanzenfreundlichen“ mitteleuropäischen Deutschland ein. Wie der Tee schmeckt, war noch nicht in Erfahrung zu bringen. Der Teeguru wird aber bald einen Vor-Ort- Bericht zur Plantage bringen, in der wir hoffentlich auch mehr über das Geschmackserlebnis erfahren werden. Man darf gespannt sein..

0 0 Bewertungen
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
de_DEDeutsch
Nach oben scrollen
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x