Teestunde : Alain Stella - Teegärten
Wenn man wissen möchte, was die besten Teegärten der Welt – vom Fernen Osten bis Westafrika – gemeinsam haben, dann sollte man sie nachts aufsuchen. Nach Anbruch der Dunkelheit gleicht einer dem anderen: Sie sind alle wolkenverhangen und durchweht von einem kühlen Bergwind, und sie liegen unter dem gleichen Regen. Überall hört man die gleichen Geräusche des Wassers: das Prasseln des Regens auf den Blättern, das Tosen der Wildbäche und der Wasserfälle. Und überall verspürt man den gleichen Geruch von warmer, feuchter Erde.
Damit der Tee subtilste Aromen ergibt, benötigt er, in welcher Gegend der Welt er auch wächst, ein feuchtes, gemäßigtes Klima, sonnenwarme Tage, regenreiche Nächte und reine Höhenluft.
Erst im Morgengrauen, beim ersten Zwitschern der Vögel, wenn sich die Wolken über den Berggipfeln auflösen oder auf den Grund der Täler sinken, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Nebel auflösen und auf den Blättern in schillernde Tautropfen verwandeln, dann entdeckt man allmählich die unendliche Vielfalt der Teelandschaften.
Jetzt ist von Japan bis Kamerun kein Teegarten wie der andere. Die Farbe der Erde, das Relief der Berge, die umgebende Vegetation und die Teepflückerinnen, die um diese Zeit kommen, sind nirgendwo die gleichen.