{"id":2080,"date":"2024-07-04T19:00:00","date_gmt":"2024-07-04T17:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/teeguru.net\/?p=2080"},"modified":"2024-06-25T10:41:44","modified_gmt":"2024-06-25T08:41:44","slug":"teestunde-garth-clark-teatime","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/teeguru.net\/en\/teestunde-garth-clark-teatime\/","title":{"rendered":"Teestunde: Garth Clark, Teatime"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"2080\" class=\"elementor elementor-2080\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-ad91d3e elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"ad91d3e\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-56debbc\" data-id=\"56debbc\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-02df7b7 elementor-widget elementor-widget-heading\" data-id=\"02df7b7\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"heading.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t<h2 class=\"elementor-heading-title elementor-size-default\">Teestunde: Garth Clark, Teatime<\/h2>\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-9aff3bf elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"9aff3bf\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-59b3bbd\" data-id=\"59b3bbd\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-78d4f8f elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"78d4f8f\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts war der Tee aus der englischen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Ein junger Schwede bemerkte 1809 bei seinem Englandbesuch: Nach dem Wasser ist der Tee der Engl\u00e4nder eigentliches Element. Dennoch war das Teetrinken damals noch eine relativ ungezwungene Angelegenheit, und erst um 1840, zweihundert Jahre nachdem der erste Tee nach England importiert wurde, entwickelte sich die Sitte des englischen Nachmittagstees. Die Herzogin von Bedford hatte es sich zur lieben Gewohnheit gemacht, sich gegen vier Uhr nachmittags ein K\u00e4nnchen Tee und etwas Kuchen oder Butterbrot auf ihr Zimmer bringen zu lassen, um sich damit die Lustlosigkeit des Sp\u00e4tnachmittags zu vertreiben. Als sie ihre Freundinnen dazu einlud, war eine Institution geboren.<\/p>\n<p>Die Zeremonie wurde bald immer verschwenderischer, da jede Gastgeberin ihre Standesgenossinnen an Aufwand zu \u00fcbertreffen suchte. Es dauerte nicht lange, und der Tee wurde mit berauschendem Orangenlik\u00f6r oder Rotweinpunsch hinuntergesp\u00fclt, und die Tische bogen sich unter der Last kalorienreicher K\u00f6stlichkeiten. Mit musikalischer Untermalung wurde der Tee aus fein ziselierten silbernen Teekannen in kostbares Porzellan eingegossen und von livrierten Dienern den eleganten Damen kredenzt, die zarte, lose \u00fcber die Taille fallende Teegew\u00e4nder trugen. Das Gespr\u00e4ch mochte wohl angeregt sein, doch drehte es sich weniger um Kunst und Philosophie als um den Austausch des neuesten l\u00e4sterlichen Klatsches. Die englische Teezeremonie war, verglichen mit der bewussten Selbstbeschr\u00e4nkung des&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Japanische_Teezeremonie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">cha- no-yu<\/a>, eine k\u00f6stlich dekadente Angelegenheit.<\/p>\n<p>Die Glanzzeit des Afternoon Tea wurde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erreicht, als die hierf\u00fcr typische Speisenfolge Tee, Kaffee (f\u00fcr Ketzer), Brot und Butter, f\u00fcnferlei Sandwiches, Austern-Pasteten, H\u00fchnerbr\u00fcstchen, zweierlei Cremes, vier Gelees, Eis, verschiedene Kuchen, S\u00e4fte und ein Glas Rotwein umfa\u00dfte. Eine komplizierte Etikette entstand, und B\u00fccher, voll mit guten Ratschl\u00e4gen, sollten die Teetrinker f\u00fcr die Feinheiten des richtigen Benehmens sensibilisieren. Denjenigen, die Zucker zu ihrem Tee nehmen, sei angeraten, den L\u00f6ffel mit einem Minimum an Kraftaufwand zu bewegen, warnte ein Autor, und ihn auf jeden Fall vor dem Hochheben der Tasse herauszunehmen.&#8220;&nbsp;<\/p><p>Trotz aller Ausw\u00fcchse war der Nachmittagstee doch ein streng geregeltes Ritual, das mit echter Begeisterung und Achtung vor dem Tee zelebriert wurde. Die englische Teezeremonie fand sogar Gnade vor den Auge des unbestechlichen Okakura. An dem zarten Geklirr von Tabletts und Untertassen, schrieb er, am leisen Rascheln weiblicher Gastlichkeit, am etablierten Kanon von Sahne und Zucker, erkennen wir, da\u00df die Verehrung des Tees fest verwurzelt ist. Henry James schlo\u00df sich dem an, wenn er im Anfangskapitel seines&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Portr%C3%A4t-einer-jungen-Henry-James\/dp\/3869135840\/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=FUSAY1EZ7MC7&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.7o8cAGJdw3uYi4lpaoeIF18lSMsosN-dYHzOjnxxZ600qAR36FKRvB-O7IS3r0B3adpiNpuET03dFsnEMks_6LCCsUEE-s-hPlg57_n6aCMr3DYT0ltw84nEwINpSBHSbvw3iIkW07cV28AhGgnEQw.4qASanT9NaM_lTju7cm7_T2ivqKpxI23K6s4dovmlEo&amp;dib_tag=se&amp;keywords=das+portr%C3%A4t+einer+lady+henry+james&amp;qid=1719304705&amp;sprefix=das+portr%C3%A4t+einer+lady+henry+jame%2Caps%2C171&amp;sr=8-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Romans \u201eThe Portrait of a Lady\u201c<\/a> (Bildnis einer Dame) bemerkt, da\u00df es im Leben nur wenige Stunden gibt, die angenehmer sind als die dem Ritual des Nachmittagstees geweihte Stunde das gelte sogar, f\u00fcgte er hinzu, wenn man keinen <a href=\"https:\/\/teeguru.net\/en\/teesorten\/schwarzer-tee\/\" target=\"_blank\">Tee <\/a>trinke.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zum eleganten Nachmittagstee kamen in England eine Reihe von Tee-Zeremonien auf. High Tea, der, im Gegensatz zu seinem Namen, ganz und gar nicht elegant war, entstand als deftige Bauernmahlzeit. Um sechs Uhr abends serviert, glich er mehr einem Abend- essen als einem Tee und bot Schweinepasteten, Schottische Eier und andere s\u00e4ttigende Gerichte. Der Tee wurde \u00fcblicherweise aus einer einfachen, feuerfesten Kanne eingeschenkt und war so stark, da\u00df im Arbeiter-Jargon \u201eder L\u00f6ffel drin steht\u201c. In etwas abgeschw\u00e4chter Form hat der High Tea in einigen Teilen Nordenglands und Schottlands bis auf den heutigen Tag \u00fcberlebt.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Im neunzehnten Jahrhundert entwickelten Studenten in Internatschulen und Universit\u00e4ten ihre eigenen t\u00e4glichen Teerituale, indem sie Brot und Fladen an den offenen Kaminen in ihren Zimmern r\u00f6steten. In den Herrenclubs wurde ein deftiger Tee serviert, zu dem s\u00e4ttigende Sandwiches und leckere Kleinigkeiten wie eingemachte Krabben, scharf gew\u00fcrzte Schinkentoasts und schottischer Woodcock (eine Mischung aus Sardellen, Sahne und Eiern auf hei\u00dfen Toastscheiben) gereicht wurden. F\u00fcr die Arbeiterklasse war der Tee dagegen eher spartanisch und bot selten mehr als einen Becher ges\u00fc\u00dften Tees, Brot oder ein paar Kekse.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Aber f\u00fcr den Arbeiter wie den Herzog bedeutete das Teeritual gleicherma\u00dfen eine Atempause im Alltag. F\u00fcr ein oder zwei Stunden gab es keinen Klassenkampf. Auch keinen Krieg der Geschlechter, denn die Teestunde war die Zeit, um Freunde und nicht Liebhaber zu treffen. Die sanfte Euphorie des Tees vermittelte ein Gef\u00fchl des Wohlbefindens, das Engl\u00e4nder in allen Lebens- lagen in den Stand versetzte, die Aufgaben des verbleibenden Tages zu meistern. Die Teestunde war eine Zeit zum Nachdenken, um Hoffnung zu sch\u00f6pfen und um Tagtr\u00e4umen nachzuh\u00e4ngen. F\u00fcr alle gleich und ohne jede konfessionelle Beschr\u00e4nkung, stellte sie gleichsam einen religi\u00f6sen Akt dar, der von einer ganzen Nation Tag f\u00fcr Tag genossen und zelebriert wurde.<\/p>\n<p>Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, als die Teegesch\u00e4fte aufkamen, wurde der Nachmittagstee allen Klassen erm\u00f6glicht. Der erste dieser L\u00e4den wurde 1864 von der Aerated Baking Company (ABC) er\u00f6ffnet, und da er sich als ungemein beliebt erwies, folgten weitere in ganz England. Bald entstanden im ganzen Empire Tea Rooms, und f\u00fcr Kinder gab es nichts Sch\u00f6neres, als in einen dieser Tempel der S\u00fc\u00dfigkeiten mitgenommen zu werden, mit seinem verlockenden Angebot an Zuckerbr\u00f6tchen, Sahnekuchen und k\u00f6stlichen Petits fours.<\/p>\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg b\u00fc\u00dfte der Tee seinen elit\u00e4ren Anspruch ein, verlor aber nicht an Bedeutung. Hotels wie das Londoner Ritz richteten zwar immer noch gro\u00dfe gesellschaftliche Teeveranstaltungen aus, doch die ver\u00e4nderten Wertvorstellungen, der andere Tagesablauf und die neuen Priorit\u00e4ten der Gesellschaft bewirkten, da\u00df der Tee zu Hause eine wesentlich intimere Angelegenheit wurde, zu der man nur noch die Familienmitglieder oder enge Freunde bat. Dieser Wandel der Werte zeigte sich in den zwanziger Jahren durch die Beliebtheit der sogenannten T\u00eate-\u00e0-T\u00eate-Teeservice f\u00fcr zwei Personen. Zunehmendes Gesundheitsbewu\u00dftsein und wachsendes Interesse an der Mode trugen auch dazu bei, die Speisenfolge beim Nachmittagstee wieder auf ihr urspr\u00fcngliches Ausma\u00df zu reduzieren: ein paar Sandwiches und ein St\u00fcckchen Kuchen.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Mit der Einf\u00fchrung des Tanztees in den drei\u00dfiger Jahren nahm die Teezeremonie eine neue Form an. Da konnte man eine Tasse Tee genie\u00dfen und zu den Kl\u00e4ngen der gerade aktuellen Big Bands tanzen. Aber die Hektik der modernen Welt hat unsere Freizeit langsam untergraben und den Nachmittagstee von einem tagt\u00e4glichen Ritual zu einem seltenen Luxus werden lassen.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Garth Clark<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teestunde: Garth Clark, Teatime Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts war der Tee aus der englischen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. 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